Hintergrund

Clean Shuttle setzt Zeichen

Bewährungsprobe bestanden: Während der Weltklimakonferenz COP 23 in Bonn haben emissionsarme Batterie-, Wasserstoff- und Hybridbusse 120.000 Fahrgäste befördert – und das störungsfrei. Mit diesem Clean Shuttle setzten die beteiligten Verkehrsunternehmen ein Zeichen für die Umweltfreundlichkeit und Leistungsfähigkeit des ÖPNV; aus Sicht der Organisatoren VDV sowie SWB Bus und Bahn mit Erfolg.

Der Einsatz bei der Weltklimakonferenz ähnelte dem beim Weltjugendtag 2005. Auch damals waren nur tolle Leute dabei – und das war dieses Mal ja nichts anderes. Und wenn man auch einmal aus dem Alltag rauskommt, ist das prima.

Hans-Josef Kleinmeyer,
Fahrer der SWB Bus und Bahn


An der Bushaltestelle direkt vor dem Bonner World Conference Center drängen sich an diesem Donnerstagnachmittag, dem vierten Veranstaltungstag der COP 23, die Fahrgäste. „Ist das der Bus zum Flughafen?“, fragt ein Mann auf Englisch, als Busfahrer Peter Hiller die Türen öffnet. „Fährt der Shuttle auch sonntags?“, will wiederum eine Frau mit Klemmbrett im Arm wissen. Peter Hiller bejaht beides. Die Frau eilt zurück zum Veranstaltungsgelände, der Mann und weitere Fahrgäste – alle mit dem Teilnehmer-Ausweis der Weltklimakonferenz um den Hals – steigen ein. Für sie steht an diesem Tag bereits die Heimreise an. 

Fahrer sind erste Ansprechpartner

Peter Hiller fährt los, steuert den Hybridbus der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) an der Zentrale der Deutschen Post vorbei in Richtung Autobahn. Der Mitarbeiter der zur KVB gehörenden Schilling Omnibus Verkehr GmbH ist damit einer von 40 Busfahrern aus ganz Deutschland, die während der fast zweiwöchigen Weltklimakonferenz im Einsatz sind. Insgesamt zwölf Tage dauert die Veranstaltung. Und als sie am 17. November endet, haben Peter Hiller und seine Kollegen – Fahrer ebenso wie die für die COP 23 gebundenen Reservekräfte – rund 3.000 Dienststunden geleistet und 20.000 Nutzkilometer zurückgelegt.

Das klingt nach viel Arbeit. Doch für Hans-Josef Kleinmeyer, Fahrer bei der SWB Bus und Bahn, war es eine, die Spaß machte – und die für ihn nicht der erste Sondereinsatz dieser Art war. „Das war wie 2005 beim Weltjugendtag“, schwärmt er. „Damals waren es nur tolle Leute – und das war dieses Mal ja nichts anderes. Und wenn man auch einmal aus dem Alltag rauskommt, ist das prima.“ Zumal die Fahrer noch häufiger als sonst zum wichtigen Ansprechpartner wurden. Wohin fährt der Bus? Wie komme ich wohin? Die internationalen Fahrgäste hatten viele Fragen. Mitunter auch zu den Bussen selbst: Denn auf den insgesamt vier Shuttle-Linien kamen fast ausschließlich Fahrzeuge mit umweltfreundlichen Antrieben zum Einsatz: Batterie-, Brennstoffzellen- und Hybridbusse. „99,9 Prozent des Angebotes fanden mit solchen Bussen statt“, resümiert Georg Bechthold, Fachbereichsleiter Marketing und Kommunikation bei der SWB Bus und Bahn. Die hat den Shuttle zusammen mit dem VDV organisiert. „Während der gesamten COP 23 lief der Shuttleverkehr störungsfrei ohne Ausfälle. Das ist wirklich eine stolze Leistungsbilanz.“

Neben SWB Bus und Bahn und der KVB stellten auch die Bogestra, die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die Düsseldorfer Rheinbahn, die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) sowie die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) Fahrer und Busse für den Clean Shuttle in Bonn ab. Außerdem steuerten Unternehmen aus Bremen, Lübeck und Luxemburg weitere Fahrzeuge bei. Insgesamt waren so 14 Busse im Einsatz.

120.000

Fahrgäste

haben während der Weltklimakonferenz die Busse des Clean Shuttle genutzt.

Kreative Lösungen

All dem war ein logistischer und organisatorischer Kraftakt vorangegangen. Angefangen bei der Frage, wo die zusätzlichen Fahrzeuge untergebracht werden konnten. Denn der SWB-Busbetriebshof Friesdorf platzt auch so schon aus allen Nähten. „Morgens um vier Uhr ist es hier so voll, dass es nur noch eine Notfallgasse für Rettungsfahrzeuge gibt“, beschreibt Kraftfahrzeugmeister Peter Küpper. Also mussten die Bonner kreativ werden. Die Werkstatthalle beispielsweise diente nachts als zusätzlicher Parkplatz, die Fahrschulfahrzeuge wurden „wegorganisiert“, so Küpper. Eine andere Herausforderung: die Ladetechnik der E-Busse. Denn sie unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Die Verkehrsunternehmen mussten deshalb ihre eigenen Ladegeräte mitbringen. „Einige kamen sogar schon mehrere Tage vor dem Start des Clean Shuttle nach Bonn, um zu testen, ob alles funktioniert und das jeweilige Gerät an unser Hausnetz angeschlossen werden kann“, berichtet Küpper. Der Strom der Stadtwerke Bonn stammte dabei zu 100 Prozent aus regenerativen Energien.

Damit das Laden der Fahrzeuge reibungslos funktionierte, musste genau auf den Gesamtstromverbrauch des Betriebshofs geachtet werden, um den Netzanschluss nicht zu überlasten. So wurden die meisten Fahrzeuge nur dann geladen, wenn andere Verbraucher auf dem Betriebshof abgeschaltet werden konnten oder nicht benötigt wurden. Zudem mussten die Werkstatt-Mitarbeiter entsprechend geschult werden, damit kein Bus am falschen Ladegerät landet. Verstärkung erhielten die Bonner Mitarbeiter durch Werkstattpersonal der beteiligten Verkehrsunternehmen. Der Fahrdienst wiederum musste so planen, dass jeder Bus passend nach Leistung, Größe und Reichweite eingesetzt wurde. Die entsprechenden Daten hatten SWB und VDV zuvor bei den Verkehrsunternehmen abgefragt. Und die Fahrer? Sie erhielten am Wochenende vor dem Start der COP 23 noch eine Streckeneinweisung, damit im Shuttle-Dienst keine Fehler passierten.

„Es lief besser, als wir es geplant hatten“, bilanziert Jens Schmitz, Chef-Organisator auf Seiten des VDV. Und das, obwohl der Takt der Shuttlebusse zwischendurch noch erhöht werden musste. „Zur Halbzeit der COP 23 gab es eine zweite Ankunftswelle und der Andrang war so stark, dass unsere Busse nicht mehr ausreichten. Deswegen haben wir unsere Reserve eingesetzt“, berichtet er. „Aber alle waren hoch motiviert: die Fahrer, die Dispo, unsere Partner. Deswegen lief es auch.“

Hinter dem Einsatz der Fahrer habe dabei sogar die größte Herausforderung gesteckt, findet Anja Wenmakers, Geschäftsführerin der SWB Bus und Bahn. „Wegen der Lenk- und Ruhezeiten brauchten wir natürlich deutlich mehr Fahrer als Fahrzeuge“, erklärt sie – und das bei der ohnehin oft dünnen Personaldecke der Verkehrsunternehmen. „Deswegen können wir uns bei allen beteiligten Mitarbeitern und Unternehmen nur bedanken, dass sie den Clean Shuttle so möglich gemacht haben.“