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„Gute Angebote mit Mut und Kreativität schaffen“

Sie gilt in der Branche als Plattform für den Austausch von Theorie und Praxis und hat gemeinsam mit ihren Partnern mit dem Deutschen Mobilitätskongress ein zentrales Forum für interdisziplinäre Diskussionen geschaffen: die Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft (DVWG). Acht Jahre lang, von 2009 bis 2017, war Prof. Knut Ringat (Foto) ihr Präsident. Für ihn stelle der Kongress ein Highlight seiner Arbeit dar: Das hat der VDV-Vizepräsident und Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes im Interview mit „VDV Das Magazin“ betont.


» Herr Prof. Ringat, Sie sind Initiator des Deutschen Mobilitätskongresses. Wie kam es dazu?

Prof. Knut Ringat: Es gibt viele spezifische Veranstaltungen, die sich nur mit einem Ausschnitt der Mobilität beschäftigen. Um aber neue Antworten auf die schon bekannten Fragen zu finden, müssen wir Mobilität als Ganzes betrachten. Eines ist klar: Die Herausforderungen der Zukunft werden wir nur gemeinsam meistern. Eine Veranstaltung, die dieses erfüllt, fehlte bislang – also entstand die Idee des Mobilitätskongresses. Ich war schon ein wenig stolz, als ich 2013 – damals als Präsident der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (DVWG) – nach intensiver Vorarbeit den ersten Deutschen Mobilitätskongress in Frankfurt am Main eröffnen konnte. Wenn ich auf meine langjährige DVWG-Präsidentschaft zurückblicke, ist der Kongress sicherlich eines der Highlights meiner Arbeit. Auch wenn ich in diesem Jahr mein Amt an meinen langjährigen Kollegen Prof. Dr. Jan Ninnemann übergeben habe, werde ich natürlich weiterhin unseren Kongress intensiv begleiten und unterstützen.

» Der Kongress hat sich zu einer festen Größe im Mobilitätsbereich entwickelt. Im Oktober findet er zum vierten Mal statt. Sie rechnen mit rund 400 Teilnehmern – Tendenz steigend. Sind Sie zufrieden?

Ich freue mich sehr über diese positive Entwicklung unseres Veranstaltungsformates. Wer hätte das beim ersten Deutschen Mobilitätskongress gedacht? Wir haben eine Traditionsveranstaltung – nach dem dritten Mal darf man das sagen – etabliert. Das zeigt mir auch, dass der Bedarf da ist und wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben uns von Jahr zu Jahr gesteigert, und die Teilnehmerzahlen und -meinungen geben uns Recht. Doch zufrieden darf und will ich nicht sein, denn das hieße, wir würden uns nicht weiterbewegen. Wichtig ist doch, immer eng an den Bedürfnissen und Erfordernissen der Branche zu bleiben und dementsprechend das Format und die Inhalte weiterzuentwickeln. Wir wollen immer besser werden und die Plattform für den interdisziplinären und verkehrsträgerübergreifenden Austausch sein.

» Sie arbeiten wie in den vergangenen Jahren wieder mit verschiedenen Partnern der Mobilitäts- und Verkehrsbranche zusammen. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Sehr positiv. Kooperationen und Partnerschaften auf Augenhöhe sind ein Gewinn für den Deutschen Mobilitätskongress. Ganz besonders hervorheben möchte ich die Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft, dem Rhein-Main-Verkehrsverbund und dem „House of Logistics and Mobility“ (Holm), die als Veranstalter diesen Weg nun bereits seit fünf Jahren erfolgreich beschreiten.
Mein herzlicher Dank gilt aber auch unseren wissenschaftlichen Partnern, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Technischen Universität Dresden, die mit ihrer fachlichen Expertise einen wertvollen Beitrag zum Kongressprogramm leisten. Darüber hinaus gilt ein großes Dankeschön allen unseren Unterstützern und Sponsoren, die diese großartige Veranstaltung erst möglich machen.

» Was erwartet uns beim Kongress 2017?

Das diesjährige Motto lautet: „Vernetzte Mobilität – mehr als mobile Netze“. Intermodalität und Digitalisierung werden die Stichworte der nächsten Jahrzehnte sein, doch es gibt viele offene Fragen, die wir beantworten müssen. Der Kongress behandelt beispielsweise Fragen rund um die politische und gesellschaftliche Akzeptanz von Verkehrsdrehkreuzen, beleuchtet die Entwicklung intermodaler Angebote aus verschiedenen Blickwinkeln und diskutiert Projekte aus dem Bereich intelligenter Infrastrukturen. Ein Schwerpunkt wird darüber hinaus die mit dem VDV initiierte Vernetzungsinitiative „Mobility inside“ sein, mit der die ÖPNV-Branche eine gemeinsame Antwort auf die Herausforderungen einer digitalisierten Zukunft gibt: eine gemeinsame Plattform für den öffentlichen Verkehr - ein Ticket, eine Anmeldung, alle Angebote – und das deutschlandweit.

» Das ist ein recht ambitioniertes Programm.
Wie entwickeln Sie die Ideen?

Wir haben festgestellt, dass wir mit Kreativität und vor allem auch Mut gute Angebote machen können. Wir probieren eben auch neue Programmteile aus und setzen nicht nur auf Altbewährtes. So sind wir beispielsweise sehr gespannt, wie unser Sicherheitsspecial oder die neue Gestaltung der Zukunftswerkstatt von den Teilnehmern angenommen werden. An dieser Stelle möchte ich natürlich auch alle Kolleginnen und Kollegen des VDV zum Deutschen Mobilitätskongress einladen.

Interdisziplinäre Plattform für den Erfahrungsaustausch

Die DVWG sieht sich laut Satzung als Vereinigung von Verkehrsfachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung, die sich für die Sicherung der Mobilität der Menschen im Rahmen einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung engagiert. Sie gilt als Plattform für den Erfahrungs- und Meinungsaustausch zwischen den Disziplinen sowie zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Geführt wird sie seit Mai dieses Jahres von ihrem neuen Präsidenten Prof. Dr. Jan Ninnemann. Der Hamburger ist als geschäftsführender Gesellschafter einer Beraterfirma für die Verkehrs-, Transport und Logistikbranche tätig. Zudem leitet er den Studiengang Logistics Management an der HSBA Hamburg School of Business Administration. Knut Ringat bleibt der DVWG indes erhalten: als Vorsitzender der Bezirksvereinigung Frankfurt-Rhein-Main.
Der diesjährige Deutsche Mobilitätskongress der DVWG findet vom 4. bis 6. Oktober im Frankfurter „House of Logistics and Mobility“ (Holm) statt. Das Motto: „Vernetzte Mobilität – mehr als mobile Netze“.