Aus dem Verband

ÖPNV-Angebot
mit Mühe und Not

Mecklenburg-Vorpommerns Städte und Regionen wachsen. Der Tourismus boomt. Im dünn besiedelten Küstenland bleiben jedoch die Mittel für den Öffentlichen Personenverkehr begrenzt. Deswegen ging es bei der Länderkonferenz in Rostock vor allem ums Geld, aber auch um Wünsche und deren Realisierbarkeit.

Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Stralsund, Greifswald: Die Oberzentren Mecklenburg-Vorpommerns müssen investieren, um ihre Verkehrsinfrastruktur erhalten und ausbauen zu können. Unterdessen erschweren der Bevölkerungsrückgang und der demografische Wandel im ländlichen Raum zunehmend die Grundversorgung mit ÖPNV. Gleichzeitig erholen sich immer mehr Urlauber an der Ostsee und der Mecklenburgischen Seenplatte. Sie wollen dabei auch mal aufs Auto verzichten. Außerdem stehen die Digitalisierung und die Dekarbonisierung an – mit den entsprechenden Aufwendungen für die Verkehrsunternehmen. Wie angesichts dieser Herausforderungen das Angebot von Bussen und Bahnen verlässlich finanziert werden kann, war das Hauptthema der Länderkonferenz für den Öffentlichen Personenverkehr. Eingeladen hatte die Infrastrukturinitiative „Damit Deutschland vorne bleibt“. 160 Teilnehmer verfolgten die Fachforen und politischen Diskussionen.

Knappe Kassen einerseits, Wünsche an den ÖPNV andererseits: Minister Christian Pegel warb um Verständnis dafür, dass die Mittel nicht unerschöpflich sind.

Dass der Rahmen, den die Landesmittel den Verkehrsunternehmen vorgeben, eng gesteckt ist, verdeutlichte Jan Bleis: „Wir haben eine Finanzierung, mit der wir mit Mühe und Not unser Angebot erhalten können.“ Der Vorstand Markt und Technik der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) und stellvertretende Vorsitzende des VDV Nord sieht dabei keinen Spielraum für die Einführung der Elektromobilität und digitaler Innovationen. Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung, verwies unterdessen auf die „engen finanziellen Strukturen“ in Mecklenburg-Vorpommern und machte den Vertretern der Verkehrsbranche wenig Hoffnung. Um ihre Vorstellungen komplett zu verwirklichen, sei das Doppelte an Geld erforderlich. „Die Mittel wachsen nicht ewig in den Himmel. Ich bin schon dankbar, dass die 80 Millionen Euro fortgeschrieben werden“, sagte Christian Pegel mit Blick auf die ÖPNV-Zahlungen im Bundesland. Für Diskussionsstoff sorgte, dass das Land derzeit etwa 130 Millionen Euro an Regionalisierungsmitteln, die für den Schienenpersonennahverkehr bestimmt sind, zurückhält – als Reserve für Zeiten, in denen das Geld für den Nahverkehr knapper ausfällt. Angesichts dessen äußerte Eckhardt Rehberg, haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sein Unverständnis darüber, dass über zu wenig Geld geklagt wurde. Er forderte, diese Mittel an die Kommunen weiterzugeben.

Neben der Finanzierung des Öffentlichen Personenverkehrs ging es in Rostock auch um die Frage, wie Busse und Bahnen attraktiver werden können. Welche Rolle dabei eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur spielt, verdeutlichte Jörgen Boße, Geschäftsführer der Usedomer Bäderbahn (UBB), am Beispiel seines Unternehmens. „Wenn man die entsprechende Infrastruktur schafft, hat man auch Erfolg.“ Alle Bahnhöfe, Brücken, Gleise und Stellwerke der UBB wurden modernisiert, moderne Fahrzeuge verkehren mittlerweile auch auf dem Festland und über die Grenze bei Ahlbeck hinweg bis ins polnische Swinoujscie (Swinemünde). Mehr als 3,5 Millionen Kunden nutzen jährlich die UBB. Seit 1992 stieg die Fahrgastzahl um über 1.000 Prozent. Boße: „Nur ein einwandfreies Produkt lässt sich erfolgreich vermarkten.“

Mit dem E-BUS durch Rostock

Zahlreiche Teilnehmer der Länderkonferenz nutzten die Gelegenheit, mit einem E-Bus (Foto) auf eine kurze Rundtour durch Rostock zu gehen. Nach diesem Einsatz verkehrte das Fahrzeug einige Tage testweise in Warnemünde. Die RSAG versprach sich davon weitere Erkenntnisse, wie der Linienbetrieb mit einem reinen Batteriebus verläuft. Erwünschter Nebeneffekt: In dem beliebten Seebad sollten viele Menschen ihre eigenen Erfahrungen mit der Elektromobilität machen. Voraussichtlich im Herbst wird dieser Test fortgesetzt. Darüber hinaus plant die RSAG ein E-Bus-Pilotprojekt zusammen mit der Hansestadt Rostock. Ebenfalls in Warnemünde sollen zwei batterie-elektrische Busse fahren. Dafür ist die RSAG jedoch auf gesonderte Fördermittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern angewiesen. Eine Zusage dafür gibt es bislang nicht.

Häufig kritisiert wurde auf der Länderkonferenz die Anbindung Rostocks an den Fernverkehr auf der Schiene Richtung Berlin. VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff bedauerte, dass es „nicht wenigstens alle zwei Stunden eine ICE-Verbindung gibt“. Während Eckhardt Rehberg, der regelmäßig aus der Region in die Hauptstadt pendelt, sich mit der vorhandenen IC-Anbindung „nicht ganz unzufrieden“ zeigte, bezog IHK-Präsident Claus Ruhe Madsen deutlich Stellung: „Wenn ich um 4.34 Uhr auf dem Bahnsteig stehen muss, um in Berlin um 9 Uhr einen Termin wahrzunehmen, werde ich nicht mit dem Zug fahren.“ Für die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Kröger (Linke) ist sogar das gesamte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern „weitgehend vom Fernverkehr abgeschnitten“. Christian Pegel kündigte zumindest für die Verbindung Rostock – Berlin ab Dezember 2019 Verbesserungen an.

Wenn man die entsprechende Infrastruktur schafft, hat man auch Erfolg.

Jörgen Boße, Geschäftsführer Usedomer Bäderbahn

Auch an anderer Stelle forderte Claus Ruhe Madsen mehr Flexibilität sowie attraktivere Tarife und Angebote – etwa wenn ein heißes Wochenende vorhergesagt ist: „Ich hätte gern ein Sonne- und Strandticket.“ Wie wichtig ein gutes ÖPNV-Angebot für den Tourismus ist und dass hier eine zusätzliche Einnahmequelle liegt, verdeutlichte Bernd Fischer. Der Geschäftsführer des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern regte eine enge Vernetzung von ÖPNV und Tourismus an. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Land 50 Millionen Übernachtungen (11,2 Millionen Gäste) in privaten und gewerblichen Quartieren. Fischer berichtete von einem Pilotprojekt der Orte rund um die Müritz, wo die Urlauber über ihre Kurtaxe den Nahverkehr mitfinanzieren und dort kostenlos mit dem Bus und dem Schiff fahren können: „Wir müssen schauen, wie wir ein Angebot schaffen, für das die Menschen bereit sind zu zahlen.“

Ideen, den ÖPNV zukunftsfähig zu gestalten, gebe es viele in Mecklenburg-Vorpommern, sagte auch Jan Bleis, aber es fehle das Geld. Von der Länderkonferenz versprach sich der RSAG-Vorstand und Gastgeber Rückenwind: „Ich hoffe, dass wir in den nächsten fünf Jahren etwas häufiger über die Themen des ÖPNV sprechen können.“