Hintergrund

Einfach mal
ins Netz gehen

Mit neuen digitalen Anwendungen will die DB Netz AG ihren Kunden das Leben leichter machen – eine Chance, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu holen.


Das System Eisenbahn ist und bleibt komplex. 400 Verkehrsunternehmen bewegen täglich 40.000 Züge. Jeder Fahrt von A nach B gehen aufwendige technische Prüfungen voraus. Kann ein Güterzug mit seinem Gewicht und Profil alle Brücken und Tunnel passieren? Eignen sich die Strecken, gibt es Baustellen und Störungen? Welche freien Zeitfenster bietet der Jahresfahrplan? Erst wenn Fragen wie diese geklärt sind, kann bei DB Netz eine Trasse bestellt und die Route festgelegt werden. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit mussten die Trassenplaner das manuell erledigen. Angesichts von Richtlinien und Verfahren keine einfache Aufgabe: Denn allein der Zugang zum Schienennetz ist auf 32.000 Papierseiten geregelt – eine kostenintensive Fleißarbeit. 

Leichter und schneller funktioniert die Trassenplanung jetzt mit neuen interaktiven Internetanwendungen von DB Netz. Seit Anfang des Jahres arbeitet das Infrastrukturunternehmen daran, die Schnittstellen zwischen seinen Kunden – also den Eisenbahn­unternehmen – und dem System Schiene möglichst unkompliziert zu gestalten. Der Name der Initiative ist Programm: „Einfachbahn“. Für die Kunden soll der Aufwand möglichst gering bleiben. Diese Sichtweise wird mit den Möglichkeiten der Digitalisierung kombiniert. Digitale Denke trifft dabei auf betriebliches Fachwissen: In das Projektteam bringen interne und externe IT- und Eisenbahnexperten ihr Know-how ein. Herausgekommen ist eine ganze Reihe intelligenter Webtools, die in den vergangenen Monaten online gegangen sind und kostenlos zur Verfügung stehen.

Online-Routenplaner für Güterzüge

Zu diesen Anwendungen gehört der Trassenfinder. Auf den ersten Blick erinnert er an einen Online-Routenplaner: Der Nutzer gibt Start, Ziel, Datum, die Baureihe seines Triebfahrzeugs sowie Infos zu Zug und gewünschter Strecke ein. Das Tool ermittelt dann die jeweils optimale, technisch mögliche Streckenführung. Zudem zeigt es die Trassenkosten sowie die voraussichtliche Transportdauer an. DB Netz versteht den Trassenfinder als eine Art „Google Maps“ für die Schiene. Der nach der jeweiligen Zugkonfiguration berechnete Laufweg wird in einer Karte angezeigt und kann unter Zeit- und Kostenaspekten optimiert werden.

Hinter der übersichtlichen Benutzeroberfläche stecken viel Arbeit und komplizierte Rechenprozesse. „Wir haben riesige Datenmengen erfasst und neue Algorithmen entwickelt“, berichtet Projektleiter Matthias Blex. Einen ähnlichen Weg hatte das Team „Einfachbahn“ zuvor schon bei der Entwicklung eines anderen intuitiv bedienbaren Tools beschritten – dem Grenzlast-Anzeiger „Greta“. Innerhalb kürzester Zeit können Planer nun das zulässige Höchstgewicht ermitteln, das ein Zug auf einer gewünschten Strecke nicht überschreiten darf. In diese Anwendung flossen 7.700 PDF-Seiten des entsprechenden Regelwerks ein.

„Greta“ und der Trassenfinder sind nur zwei von mehreren gezielten, verhältnismäßig kleinen IT-Projekten, mit denen die „Einfachbahner“ die Komplexität im Hintergrund des Systems Schiene schrittweise abbauen wollen. Das ist auch an anderer Stelle bereits gelungen – etwa mit der interaktiven, webbasierten Kartenapplikation „Strecken.info“. Sie enthält aktuelle und künftige Einschränkungen. Seinen Anforderungen entsprechend kann sich der Nutzer die Informationen anzeigen lassen. Für die schnelle Meldung von Mängeln an der Infrastruktur und an Serviceeinrichtungen gibt es das Informations- und Kommunikationssystem für Anlagenstörungen (Ikas). Anlagendisponenten steht das Onlinetool „Andi“ zur Verfügung. Weitere Projekte hat das Team „Einfachbahn“ schon in Vorbereitung. Im Herbst ist die Einführung eines Tools geplant, mit dem auf digitalem Weg eine Machbarkeitsstudie für außergewöhnliche Transporte – etwa mit Lademaßüberschreitung – einfach geordert und die Beförderung dieser Güter beantragt werden kann.

Derweil wurde der Trassenfinder bereits weiterentwickelt. Seit Juni steht das Tool auch dem Personenverkehr zur Verfügung. Für das laufende Jahr ist geplant, im Güterverkehr alle Routing-Ergebnisse vergleichbar zu machen sowie das neue Trassenpreissystem einzupflegen.