Mit Maske und
viel frischer Luft

Nach Aufhebung der stärksten pandemiebedingten Beschränkungen haben die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen wieder über 70 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht. Mit ihrer Gemeinschaftskampagne #BesserWeiter werben Bund, Länder, Kommunen und Verkehrsunternehmen um das Vertrauen der Fahrgäste und ihre Rückkehr. Jetzt geht die Kampagne in die nächste Phase. Das Motto: „Ich bin Wiedereinsteiger“.


Die Zahlen machen Mut, sind aber immer noch zu niedrig, um eine auskömmliche Finanzierung des öffentlichen Verkehrs sicherzustellen und die Sektorziele beim Klimaschutz zu erreichen. Vor allem Fahrgäste, die häufig und regelmäßig mit Bus und Bahn fahren – die „Vielfahrer“ – sind zurück. Es fehlen jedoch weiterhin Studierende sowie Menschen, die in Kurzarbeit, im Homeoffice oder aufs Rad umgestiegen sind. Im Freizeit- und Veranstaltungsverkehr mangelt es an Anlässen, den ÖPNV zu nutzen. Zudem meiden etliche Pendler und Gelegenheitskunden den ÖPNV, weil sie ein vermeintlich höheres Ansteckungsrisiko befürchten. Insgesamt liegen die Fahrgastzahlen seit Juli zwischen etwa 70 und 80 Prozent des Vorjahresniveaus. Hier setzt die neue Phase der Kampagne #BesserWeiter an – mit namhafter Unterstützung. „Ich bin Wiedereinsteiger*in“ lautet das Motto. Dazu zeigen Prominente und Nichtprominente Gesicht – natürlich mit Maske. Zu den bekannten Bekennenden zählen die Moderatorin und Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes (siehe Foto oben), die Handballlegende Stefan Kretzschmar, der Musiker Wolfgang Niedecken sowie Moderator Matthias Killing (siehe Bildgalerie unten). Hinzu kommen weitere Motive mit Fahrgästen, die wieder einsteigen.

Ansteckungsgefahr nicht erhöht

Neben der Imagepflege für Bus und Bahn informiert die Kampagne über die aktuelle Situation und Hygiene-Maßnahmen im ÖPNV. Auf besserweiter.de findet sich beispielsweise das Hygiene-ABC. Denn anders als vermutet ist das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus in Bus und Bahn nicht höher ist als an anderen öffentlichen Orten. Zu diesem Ergebnis kommen Studien aus Österreich, Frankreich, Japan und den USA. Zu den wesentlichen Faktoren gehört, dass Fahrgäste in Bussen und Bahnen zeitlich meist nur kurz unterwegs sind und dabei kaum sprechen – vor allem, wenn sie allein reisen. Das ist entscheidend, denn das Coronavirus wird in erster Linie über Tröpfchen und Aerosole übertragen. Vor allem die Übertragung durch Aerosole in geschlossenen, von Frischluft abgeschnittenen Räumen stand zuletzt im Fokus der Wissenschaft. Da die Türen von Bussen und Bahnen an den Stationen und Haltestellen ständig beziehungsweise auch automatisch geöffnet werden, kommt es zu einem regelmäßigen Luftaustausch. Diesen unterstützen zusätzlich die Klimaanlagen der Fahrzeuge, indem sie Frischluft von außen ansaugen. Gibt es keine Klimaanlage, gelangt Frischluft über Lüftungsgebläse, Türen, Fenster und Dachluken in das Fahrzeug. „In vielen Städten, jedoch regional unterschiedlich, unterstützen Klimaanlagen mit einer Zufuhr von bis zu 100 Prozent Frischluft den permanenten Luftaustausch in den Fahrzeugen“, sagt VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.

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Neben der Durchlüftung trägt die Maskenpflicht im öffentlichen Personenverkehr dazu bei, das Infektionsrisiko effektiv zu vermindern – für die Trägerinnen und Träger selbst und vor allem für andere. In Deutschland hält sich der weit überwiegende Teil der Fahrgäste an die Maskenpflicht. „Von daher sind für uns Aufklärung, Information und direkte Ansprache weiterhin die zentralen Maßnahmen, um das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckungen in Bus und Bahn durchzusetzen“, erklärt Oliver Wolff. Auch gemeinsame Schwerpunktkontrollen von Verkehrsunternehmen und Verbünden zusammen mit Polizei und Ordnungsamt seien eine gute und bereits bewährte Maßnahme. „Diejenigen Fahrgäste, die sich trotzdem vehement verweigern, eine Maske zu tragen, verstoßen damit gegen die geltenden Corona-Schutzverordnungen der Länder und werden auf dieser Grundlage auch heute schon von der Beförderung ausgeschlossen.“ Eine explizite Änderung der Beförderungsbedingungen sei daher nicht notwendig.

Neben grundlegenden Maßnahmen für mehr Hygiene wie verkürzten Reinigungsintervallen, dem Aufstellen von Desinfektionsmittelspendern, dem Einbau von Trenn- und Schutzscheiben sowie einem verstärkten Fahrzeugeinsatz gibt es eine Reihe von neuartigen Methoden. Beispielsweise desinfiziert die Deutsche Bahn die Handläufe von Rolltreppen in den Bahnhöfen von Frankfurt am Main, Düsseldorf und Dresden durch die Bestrahlung mit UV-C-Licht. Antibakterielle und antivirale Oberflächenbeschichtungen testen DB Regio in Fahrzeugen der Busverkehr Rheinland und auch die Ruhrbahn in einigen ihrer Busse.

Hübner Gruppe unterstützt Kampagne #BesserWeiter

Die Hübner Gruppe aus Kassel unterstützt als eines der ersten Unternehmen aus der Industrie die Kampagne #BesserWeiter. „Als Partner der Nahverkehrsunternehmen war es für uns keine Frage, dass wir uns an dieser wichtigen Kampagne beteiligen“, erklärt Helge Förster, Geschäftsführer des Mobilitätszulieferers: „Es liegt in unserem ureigenen Interesse, dass die Menschen Bus und Bahn nutzen und die Verkehrswende gelingt.“ Die Hübner Gruppe ist weltweit führend im Bereich Übergangssysteme für Busse und Schienenfahrzeuge. Sie beschäftigt weltweit über 3.500 Mitarbeiter.

Neuer „Vertrauensindex Bus und Bahn“

Die Kampagne will es dabei genau wissen und ergänzt die Maßnahmen mit einer Marktforschung zum Thema Vertrauen in Bus und Bahn. Der dafür im zwei- bis dreiwöchigen Rhythmus ausgewiesene „Vertrauensindex Bus und Bahn“ stellt ein neues Trendbarometer für die Branche dar. Es geht darum zu erheben, welches Vertrauen der ÖPNV bei den (potenziellen) Fahrgästen genießt und wie es sich entwickelt. Der Ausgangswert zu Beginn der Erhebung Ende Juli von 47.24 Indexpunkten war zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe von „VDV Das Magazin“ noch nicht wieder erreicht, auch aufgrund externer Effekte wie dem allgemeinen Infektionsgeschehen nach der Urlaubszeit. Im Vergleich zu den Ergebnissen von Mitte August ist der Index Ende August/Anfang September von 44.01 auf 45.28 Punkte sowie Anfang Oktober auf 45.8 erneut leicht gestiegen. Je größer der Wert, desto größer ist das Vertrauen in den Nahverkehr.

Weitere Infos zur Kampagne #BesserWeiter

und zum aktuellen Vertrauensindex

finden Sie unter: www.besserweiter.de

Mobilitätswende: Bus und Bahn bleiben die Treiber

Auch unter Corona-­Bedingungen ist die Mobilitätswende machbar. Dafür hat der VDV eine Agenda für die kommenden zehn Jahre vorgelegt. Der Titel ist Programm – „Kurs halten: Bus und Bahn bleiben Motor der Mobilitätswende“. Ziel ist es, die aufgrund der Pandemie zwischenzeitlich verlorenen Fahrgäste zurück- und neue hinzuzugewinnen, um die Mobilitätswende voranzutreiben. Das Autorenkollektiv, das sich aus Vertretern der Verkehrsunternehmen und Wissenschaftlern zusammensetzt, sieht dafür fünf Punkte, an denen angesetzt werden muss: ÖPNV-Angebot, Infrastruktur, Finanzierung, Vernetzung und die Gestaltung der Planungsprozesse (siehe Grafik). Tim Dahlmann-Resing (Foto) spricht sich dabei für „harte, konkrete Ziele“ aus, so der Vorsitzende des Ausschusses für Planung im VDV: „Das kann ein fünf- oder zehnprozentiger Zuwachs des ÖPNV in einem bestimmten Zeitraum sein oder eine Stadt der Viertelstunde, in der alles, was man braucht, innerhalb von 15 Minuten fußläufig erreichbar ist.“

Vorbildwirkung dabei haben Großstädte im In- und Ausland: Beispielsweise verfolgen München, Hamburg, Straßburg und Kopenhagen solche konkreten Ziele, an denen sie auch während der Pandemie festhalten – politische Beschlüsse, die untermauern, dass die Mobilitätswende ernstgenommen wird. Tim Dahlmann-Resing: „Wichtig ist die Messbarkeit von Zielen – beispielsweise ein stringenter Zehn-Minuten-Takt in städtischen Räumen oder jedes Jahr weniger Parkfläche für den Autoverkehr, wenn Platz für den Umweltverbund fehlt.“

Mehr Infos online unter:
www.vdv.de/Mobilitaetswende und bit.ly/Kurs_halten

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