Vier Fragen an ...

„VDV Das Magazin“ sprach mit Gisbert Schlotzhauer (Foto), Personalvorstand der Bochum-­Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (Bogestra) und Vorsitzender des Ausschusses für Personalwesen im VDV, über aktuelle Fragen zum Arbeitsmarkt.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Verkehrsunternehmen beim Thema Personal?
» Gisbert Schlotzhauer: Der Druck aus dem Arbeitsmarkt ist da. Schon jetzt nehmen die Abwerbeversuche bei den Triebfahrzeugführern und Busfahrern zu. Und in den nächsten Jahren müssen wir verstärkt Personal aufgrund der natürlichen Fluktuation ersetzen und qualifiziertes Personal hinzugewinnen. Dabei wird die Verkehrswende den derzeitigen Fachkräftemangel noch deutlich verschärfen – etwa, wenn wir multi­modale Mobilitätsmanager benötigen. Für diese Herausforderungen müssen sich die Verkehrsunternehmen in ganz neuer Form auf dem Arbeitsmarkt präsentieren.

Wie könnte das aussehen?
» Wir als Verkehrsunternehmen haben nur eine Chance, wenn wir die jungen Menschen schon früh an uns binden. Dafür müssen wir beim Recruiting digitaler werden, denn bei den jungen Menschen dreht sich nahezu alles ums Netz. Bei der Bogestra platzieren wir beispielsweise bestimmte Stellenangebote über Spezialisten im Internet. Vor allem bei kleineren Verkehrsunternehmen ist digitales Recruiting, für das ohnehin andere Regeln gelten, eine große Herausforderung. Zur Unterstützung wird der VDV im Rahmen seiner Arbeitgeberinitiative ab Beginn des kommenden Jahres einen Instrumentenkasten mit einem vielfältigen Angebot an spezifischen Werbemitteln zur Verfügung stellen. Wir werden uns stärker um spezielle Zielgruppen kümmern und frühzeitig mit Informationen und Marketing ansetzen. Für Berufe, in denen wir nicht selber ausbilden – wie beispielsweise Ingenieure und IT-Spezialisten – sollten wir stärker in die Hochschulen gehen. Auch über Praktika und Themen für Bachelor- und Masterarbeiten sowie die jährlich stattfindende VDV-Sommeruniversität können wir noch stärker in Kontakt zu Studierenden kommen.

Was hat die Branche den Bewerbern zu bieten?
» Finanziell können wir mit anderen Bereichen in Wirtschaft und Industrie oftmals nicht mithalten. Wir haben aber unsere eigenen Werte. Die Verkehrsunternehmen bieten regionale und sichere Arbeitsplätze, bieten Menschen interessante Perspektiven, vielfältige Freiräume sowie ein hohes Maß an Verantwortung und Unterstützung in schwierigen Lebenslagen. Bei unseren Unternehmen gelten hohe Sozialstandards. Und die Ausbildung findet auf hohem Niveau in gut ausgestatteten Bereichen statt. Hinzu kommt, dass Mobilität und ihre Entwicklung derzeit einen großen Bedeutungszuwachs erfahren und ihre Anbieter – die Verkehrsunternehmen – als Arbeitgeber an Attraktivität gewinnen.

Trotzdem gilt die Branche bei jungen Menschen als wenig attraktiv. Wie kommt das?
» Hier spielen häufig fehlende Informationen über Berufe und hier und da Vorurteile eine Rolle. Die Vielfalt an unterschiedlichen Tätigkeiten wird nicht gesehen. Hier stehen wir als Verkehrsunternehmen in Bezug auf Transparenz und Kommunikation noch stärker in der Pflicht. Beispielsweise stammt die Vorstellung vom Beruf des Busfahrers bei vielen noch aus der Zeit, als sie selber mit dem Bus zur Schule gefahren sind. Aber viele Busfahrer fühlen sich bei ihren Verkehrsbetrieben sehr wohl: Sie sind hinter dem Steuer ihr eigener Herr, ihnen sitzt kein Vorgesetzter direkt im Nacken und sie erleben viele positive Momente mit ihren Fahrgästen. Wenn man sieht, was unsere Busfahrer im Verkehr und im Kontakt mit unseren Kunden täglich leisten, ist das ein Beruf, dem man mit viel Wertschätzung begegnen muss.