Aus dem Verband

Nachhaltigkeit ist nicht nur Klimaschutz

In unterschiedlichen Bereichen setzen sich in ganz Deutschland Verkehrsunternehmen dafür ein, die globalen Ziele für Nachhaltigkeit zu erreichen – die Sustainable Development Goals (SDGs). „VDV Das Magazin“ stellt in einer Serie verschiedene Aktivitäten vor. Nachdem wir bereits aus Leipzig, Berlin, Freiburg und Hannover berichtet haben, schauen wir im zweiten Teil nach Hamburg, Stuttgart und Düsseldorf sowie auf die Deutsche Bahn.


„VDV Das Magazin“ stellt die unterschiedlichen Aktivitäten
verschiedener Verkehrsunternehmen zu diesen neun SDGs vor.
Weitere Beispiele finden Sie hier.

Lady-Lenker erhöhen in Hamburg die Frauenquote

Im Dezember 2017 starteten in der Busfahrschule der Hamburger Hochbahn erstmals genauso viele weibliche wie männliche Teilnehmer im Ausbildungskurs für den Fahrdienst durch: Sieben Mitarbeiterinnen und sieben Männer bilden nun das erste Mixed-Team. Dennoch liegt die Frauenquote im Busbetrieb bei lediglich zehn Prozent. Das soll sich ändern: Mit einer auf Frauen zugeschnittenen Kampagne sucht die Hamburger Hochbahn verstärkt Fahrerinnen, die den Umstieg aus ganz unterschiedlichen Berufen wagen – Mitarbeiterinnen aus dem Einzelhandel und von Paketdiensten oder Friseurinnen. Den frischgebackenen Fahrerinnen winkt schon ab dem ersten Tag der dreimonatigen Ausbildung ein volles Gehalt. Für den Dienst am Steuer setzt die Hamburger Hochbahn auf die Mischung ihres Fahrpersonals. Denn das soll ebenso vielfältig wie die Kunden sein. Das Unternehmen hat erkannt: Kundennähe braucht Vielfalt. Aber auch Fahrer werden weiterhin gesucht. Im Busbetrieb möchte das Verkehrsunternehmen im laufenden Jahr rund 70 neue Arbeitsplätze schaffen.


Stuttgarts Bahnen: Jung und alt verlängern die Lebenszyklen

Um die Klimaziele zu unterstützen und der wirtschaftlichen Dynamik am Standort gerecht zu werden, sollen bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) zusätzliche Stadtbahnen zum Einsatz kommen. In vergleichsweise kurzer Zeit müssen 40 neue Fahrzeuge beschafft werden. Der tatsächliche Bedarf an Ersatzbeschaffungen wäre noch weitaus höher, wenn die SSB nicht seit 2008 nach und nach 86 Bahnen generalüberholen oder teilweise modernisieren würde. Das spart Rohstoffe ein. Zudem gelang es mit diesem Projekt, Mitarbeiter zu fördern und Arbeitsplätze zu sichern. Die Mitarbeiter können dabei ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen auch an jüngere Kollegen weitergeben. Gemischte Teams sichern das Know-how nachhaltig im Unternehmen. Des Weiteren kann die SSB in der wirtschaftlich wachsenden Region Stuttgart trotz Fachkräftemangel aufgrund umfangreicher Sozialleistungen Mitarbeiter gewinnen. Hierzu trägt die bereits seit 2013 jährlich prämierte „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ bei. Das mehrfach ausgezeichnete Gesundheitsmanagement der SSB sowie der systematische und gelebte Arbeitsschutz gewährleisten eine sichere Arbeitsumgebung und die Gesunderhaltung aller Mitarbeiter.


Düsseldorf: Die Rheinbahn setzt auf das „Haus der Arbeitsfähigkeit“

Im Rahmen ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements wendet die Düsseldorfer Rheinbahn das Modell „Haus der Arbeitsfähigkeit” an. Das Konzept wurde von Prof. Juhani Ilmarinen entwickelt. Als Arbeitsfähigkeit bezeichnet er das Verhältnis zwischen den persönlichen Möglichkeiten eines Menschen und dem, was von ihm bei der Arbeit verlangt wird. Die Balance stimmt, wenn der Mensch einerseits die Arbeit gut leisten kann und sich andererseits wohlfühlt. Viele Faktoren wirken auf die Arbeitsfähigkeit jedes Einzelnen ein: die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit, die Kompetenz, die innere Einstellung, die Arbeitsumgebung, die Führung, das private Umfeld, Gesellschaft und Kultur (siehe Grafik oben). Diese Faktoren bilden im „Haus der Arbeitsfähigkeit“ die Stockwerke. Entsprechend vielfältig fördert die Rheinbahn die Arbeitsfähigkeit. Bestimmte Maßnahmen sollen das wertschätzende Miteinander stärken, andere die Gesundheit fördern. Beispielsweise werden in den Kantinen frische und mehr vegetarische Gerichte angeboten. Zudem wurde ein Fitnessraum eingerichtet, unterschiedliche Vorsorgeuntersuchungen werden angeboten. Andere Maßnahmen verbessern die Information und die Kommunikation. Beispielsweise wurde ein Flyer zum Thema „Unfall? Und jetzt?“ herausgegeben. Außerdem wird derzeit das Mitarbeiterportal im Rahmen eines Projekts neu gestaltet.


80 Prozent Ökostrom bis 2030:
Deutsche Bahn schraubt ihre Ziele beim Klimaschutz hoch

Als Unterzeichner des UN Global Compact fühlt sich die Deutsche Bahn in besonderer Weise den Zielen der Agenda 2030 und den SDGs der Vereinten Nationen verpflichtet. Der Klimaschutz ist auch in der Strategie DB2020+ als ein zentrales Handlungsfeld verankert. Im November hat sich die DB noch einmal ein neues, ehrgeiziges Ziel gesteckt: Bis 2030 will sie ihren Ökostromanteil auf 80 Prozent steigern. In diesem Jahr legte er bereits von 44 auf 57 Prozent zu. Das ist größtenteils auf den DB-Fernverkehr zurückzuführen, mit dem seit Januar 2018 rund 140 Millionen Kunden mit 100 Prozent Ökostrom reisen. Zudem sollen ab 2019 die 15 größten Bahnhöfe mit grünem Strom versorgt werden. Auch im Nahverkehr und in der Logistik sind DB-Kunden zunehmend umweltfreundlich unterwegs. Bis zum Jahr 2030 will die Bahn ihre spezifischen CO2-Emissionen gegenüber 2006 halbieren. Erreichen will sie das unter anderem durch effiziente Fahrzeuge wie neue Streckendieselloks mit Ruß­partikelfiltern und Hybridlokomotiven für den Rangierdienst, durch energiesparendes Fahren sowie den Zukauf erneuerbarer Energien für grüne Angebote. Damit leistet die Bahn einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und zu den Klimaschutzzielen des Bundes – und zu mehr Verkehr auf der Schiene.


Am 25.September 2015 verabschiedeten 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in New York die „Agenda 2030“ für nachhaltige Entwicklung. Diese 17 Ziele (Sustainable Development Goals – SDGs) und 169 Unterziele konkretisieren die Agenda. Insgesamt ergibt sich ein Orientierungsrahmen für eine weltweite nachhaltige Entwicklung bis zum Jahr 2030.

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Artikel veröffentlicht: 10.12.2018
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