Aus dem Verband

ÖPNV als Retter in der Not?

Nur wenn die Voraussetzungenstimmen, erläutert VDV-Vizepräsident Prof. Knut Ringat.


Die Fahrgastzahlen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wachsen kontinuierlich Und wir – die Unternehmen im VDV - vermelden von Jahr zu Jahr neue Rekorde. Aktuell nutzen rund 10,5 Milliarden Fahrgäste unsere Busse und Bahnen. Das sind beinahe 30 Millionen täglich – Tendenz steigend. Das ist gut und sehr erfreulich. Wir wachsen damit aber nur im Rahmen der allgemein zunehmenden Mobilität und unser Modal-Split-Anteil bleibt dabei nahezu unverändert. Meinen wir es aber ernst mit der Verkehrswende und wollen wir die an uns gestellten Erwartungen auch erfüllen, muss sich unser Anteil am Verkehrsmarkt verdoppeln. Doch schon bei gleich bleibendem Modal Split wird der ÖPNV das prognostizierte Wachstum zukünftig nicht mehr bewältigen können. Die Kapazitätsgrenzen sind vielerorts, vor allen in den Ballungszentren, bereits jetzt erreicht. Allein diese Situation gebietet den dringenden Ausbau des Systems.

Nach Jahren stiefmütterlicher Behandlung hat die Politik – vor allem ausgelöst durch die Dieselkrise – unsere Bedeutung als umweltfreundlicher Verkehrsträger erkannt. Um eine nachhaltige, umweltfreundliche Mobilität zu gewährleisten, führt kein Weg mehr an uns vorbei. Doch entsprechende Forderungen müssen jeweils mit großer Sorgfalt betrachtet werden. Wir wollen gern der Problemlöser sein, müssen aber auch entsprechend ausgestattet sein, um diese Rolle erfüllen zu können. Nur, wenn die notwendigen Voraussetzungen geschaffen sind, kann der Modal Split zu unseren Gunsten verändert werden.

Der AUTOR

Prof. Knut Ringat ist Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrs­verbunds (RMV) und VDV-Vizepräsident für den Bereich Verbund- und Aufgabenträgerorganisationen.

Hierzu brauchen wir:

1. den schnellen Ausbau der Infrastruktur sowie die Digitalisierung der Leit- und Sicherungs­technik;

2. gesellschaftliche Wertschätzung des ÖPNV und seiner Berufe (u. a. Busfahrer und Lokführer);

3. eine dem neuen Stellenwert des ÖPNV angepasste langfristige Finanzierung – mehr ÖPNV kostet auch mehr Geld. Hier sind Bund und Länder gefragt, aber auch neue Finanzierungsinstrumente, die auch die Nutznießer mit einbeziehen;

4. die stärkere Bereitschaft zu brancheninternen und branchenübergreifenden Kooperationen auf Augenhöhe, um dem Kunden den umfassenden Service zu bieten, den er für seine Mobilitätsbedürfnisse benötigt.

Erst wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann der ÖPNV seiner wichtigen Rolle in der Mobilität als Treiber der Verkehrswende gerecht werden.


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Artikel veröffentlicht: 10.12.2018
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