Gleiches niedriges
Risiko für alle

Die Inzidenzwerte sind auf niedrigem Niveau, die Impfquote steigt, der Sommer ist da. Jetzt gilt erst recht: Wer regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel nutzt, trägt im Vergleich zum Individualverkehr kein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Berliner Charité Research Organisation (CRO). Damit bestätigt das renommierte Forschungsinstitut einmal mehr Ergebnisse von national sowie international Forschenden.


Wie verhält es sich tatsächlich mit dem Infektionsrisiko in Bussen und Bahnen? Das war die Ausgangsfrage einer unabhängigen epidemiologischen Studie, bei der die Charité Research Organisation das konkrete Risiko von Pendlerinnen und Pendlern, die den ÖPNV nutzen, mit dem von Auto-, Motorrad- und Radfahrern verglichen hat. Bei den Covid-Untersuchungen im Bereich Mobilität war dieser Ansatz bis dahin noch nicht verfolgt worden. Ergebnis: Im ÖPNV ist die Infektionsgefahr nicht höher als im Individualverkehr. Auch im Vergleich verschiedener öffentlicher Verkehrsmittel – Busse, Straßen-, S- und U-Bahnen – wurden keine Unterschiede festgestellt. Deren Nutzung gilt als gleichermaßen sicher. Die Studie leistet damit einen weiteren Beitrag, auf Basis wissenschaftlicher Daten das Risiko, sich im ÖPNV mit dem Coronavirus zu infizieren, besser einzuschätzen. „Solche Studienergebnisse sind ein wichtiger Baustein, um Vertrauen und damit Kundinnen und Kunden zurückzugewinnen“, erklärt VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.

„Die Studie der Charité liefert für Millionen von Fahrgästen in Deutschland erstmals belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse zum tatsächlichen Infektionsrisiko bei der Nutzung von Bussen und Bahnen“, sagt Dr. Maike Schaefer, die als Bremer Senatorin für Mobilität derzeit auch die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz ist: „Die Ergebnisse sind eine gute Nachricht für die Stammkunden im ÖPNV, aber auch für die vielen Fahrgäste, die in den letzten Monaten aufgrund eines Unbehagens auf die Nutzung von Bus und Bahn verzichtet haben.“ Gleichzeitig weist die Senatorin deutlich auf die Rahmenbedingungen der Studie hin, die weiterhin gewährleistet sein müssen. „Abstand halten, Maske tragen, durchlüften.“

RMV als Nutzungsgebiet repräsentativ

Die Ergebnisse sind eine gute Nachricht für die Stammkunden im ÖPNV, aber auch für die vielen Fahrgäste, die in den letzten Monaten aufgrund eines Unbehagens auf die Nutzung von Bus und Bahn verzichtet haben.

Dr. Maike Schäfer,
Bremer Senatorin für Mobilität und Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz

Die Forschenden der CRO wollten die Infektionsgefahr nicht unter Laborbedingungen oder mithilfe statistischer Berechnungen abschätzen, sondern auf den täglichen Fahrten der Pendelnden zur Arbeit, Ausbildung und Schule ermitteln. Dafür hatte wissenschaftliches und medizinisches Fachpersonal 681 Menschen im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), der die Studie aktiv unterstützt hat, seit Februar dieses Jahres fünf Wochen lang begleitet. Mit seinen etwa 2,5 Millionen Fahrgästen pro Werktag und einer durchschnittlichen Reiseweite von elf Kilometern gilt der RMV als repräsentativ für die bundesweite Nutzung des Nahverkehrs. „Für die ÖPNV-Branche ist damit klar, dass sie schon in den ersten Tagen der Pandemie den richtigen Weg eingeschlagen hat“, unterstreicht Prof. Knut Ringat, Sprecher der RMV-Geschäftsführung und VDV-Vizepräsident, mit Blick auf die enormen Anstrengungen der Verkehrsunternehmen. Dazu zählen zusätzliche Hygienemaßnahmen, die Verteilung von Masken und die Maskenpflicht, das voll vorgehaltene Angebot an Fahrten auch bei weniger Fahrgästen sowie neue Angebote, die der stärkeren Nutzung digitaler Vertriebskanäle Rechnung tragen. Das seien nur ein paar von zahlreichen Beispielen, so Knut Ringat, „um Kundinnen und Kunden in unsicheren Zeiten eine sichere Fahrt im ÖPNV zu bieten.“

Abstand halten, Maske tragen, durchlüften und eine geringere Auslastung aufgrund von
Homeoffice begrenzen das Infektionsrisiko im ÖPNV.

Ende 2020 hatten die Bundesländer gemeinsam mit dem VDV entschieden, diese Studie bei der Charité Research Organisation in Auftrag zu geben, um in diesem Bereich eine Lücke bei den wissenschaftlichen Untersuchungen zu schließen. Zuvor hatten die Bundesländer im Rahmen der Verkehrsministerkonferenz beschlossen, die Untersuchung zu fördern. Von der Ethikkommission der Berliner Ärztekammer gab es ebenfalls ein positives Votum. „Wir haben nun wissenschaftliche Klarheit für die Fahrgäste, dass die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Verhältnis zu anderen Verkehrsmitteln nicht mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko verbunden ist“, erklärt Winfried Hermann, Verkehrsminister des Landes Baden-Württemberg, bei dem die Federführung lag. Neben dem Land im Südwesten beteiligten sich Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland an der Finanzierung.

Mobilität im digitalen Tagebuch erfasst

Für die Untersuchung wurden die Freiwilligen zufällig ausgewählt und annähernd gleich auf jeweils eine Gruppe für den ÖPNV und den Individualverkehr aufgeteilt. In der ÖPNV-Gruppe mussten die Probanden täglich zwischen 15 und 30 Minuten (einfache Fahrt) mit Bussen und Bahnen unterwegs sein. Alle Teilnehmenden wurden zu Beginn und am Ende des Untersuchungszeitraums mittels PCR-Test oder Antikörper-Test medizinisch untersucht. Um eine eventuelle Infektion in der einwöchigen Inkubationszeit nicht zu übersehen, wurden sie danach noch einmal getestet. Zuvor hatten die Probanden einen Monat lang ein digitales Tagebuch geführt, in dem sie ihr Mobilitätsverhalten, ihre Kontakte, Erkältungssymptome und die Einhaltung von Hygieneregeln im ÖPNV festhielten. Dabei wurden Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren sowie Menschen bis 65 untersucht. Wer den ÖPNV nutzte, verpflichtete sich, die geltenden Regeln wie das Tragen einer FFP2- oder einer medizinischen Maske einzuhalten.

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Die Ergebnisse dieser und weiterer Studien (siehe Infografik) kommuniziert auch die bundesweite Gemeinschaftskampagne #BesserWeiter. Getragen wird sie von Bund, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden und den Verkehrsunternehmen. Winfried Hermann: „Die Studienergebnisse sorgen dafür, dass die Menschen wieder mit einem besseren Gefühl und auf einer gesicherten Faktengrundlage in Bus und Bahn einsteigen können.“

Weitere Infos zu diesen und anderen Ergebnissen unter:
www.besserweiter.de

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