Aus dem Verband

Den Wald trotz lauter Bäume gesehen

Zuhören, Mitmachen, selbst Gestalten und Netzwerken standen in Leipzig zwei Tage lang im Mittelpunkt des VDV-Marketingkongresses.


Wie machen wir aus Megatrends ein Geschäft? Unter anderem um diese Frage ging es beim diesjährigen VDV-Marketingkongress. Die „Rahmenhandlung“ war im dichten Wunderwald der klassischen und digitalen Formen des Marketings und der Kommunikation angesiedelt. Social Media, Apps, Big Data, Storytelling: Das sind nur einige von vielen Bäumen im Wald der Möglichkeiten, so die Story. Und so machten sich die Marketingprofis der Verkehrsunternehmen gemeinsam auf den Erkundungsgang. „Am Ende des Weges wollen wir mehr Kunden haben und die Menschen überzeugen, gerne ihr Geld bei uns zu lassen“, sagte Ulf Middelberg, Chef der Leipziger Verkehrsbetriebe und Vorsitzender des VDV-Marketingausschusses.

„Alles kann, und das in allen Formaten“

Der Weg war auch das Ziel, denn ihr Programm gestalteten sich die Marketeers selbst. Sie hatten Themen aus ihren Unternehmen mit nach Leipzig gebracht, über die sie sich zwei Tage lang mit den anderen Teilnehmern austauschten. Als Format für den Austausch wurde das Barcamp gewählt – ein offenes Prinzip. Ablauf und Inhalte werden von Teilnehmern selbst gestaltet, alle Workshops sind für jeden zugänglich. Das Motto lautet: „Alles kann, und das in allen Formaten.“ In vier Sessions, die jeweils 45 Minuten dauerten, tauschten sich die Teilnehmer über ihre mehr als 20 Themen aus. Mitmachen und Mitreden war angesagt, lediglich Zuschauen und Zuhören dagegen weniger. Unter anderem ging es darum, ob Onlinewerbung hilft, die Bekanntheit zu steigern, ob digitale Assistenten sinnvoll sind, wie bei geringen Personalkapazitäten viel mit Social Media erreicht werden kann, wie man mit Großkundenportalen arbeiten oder wie die direkte Kommunikation zwischen Fahrpersonal und Kunden optimiert werden kann. Bei diesen Themen gaben sich die Marketingexperten gegenseitig Hilfestellung und berichteten über ihre Erfahrungen. Dabei konnte sich jeder zwischen den einzelnen Gruppen bewegen und sich so mit möglichst vielen interessanten Themen beschäftigen. So ergaben sich wechselnde Konstellationen – ein Expertennetzwerk, das sich immer wieder neu verknüpfte.
Raum und Zeit zum Zuhören, Lernen und Ideensammeln boten die Vorträge. In drei humorvoll-informativen Kurzblöcken zeigte Christian Pessing von den Berliner Leadermachern auf, wie einer „Ja, aber“-Haltung im Unternehmen eine kreative Lösung folgen kann und wie Aufmerksamkeit erzeugt wird. „Wenn es Ihnen gelingt, dass die Kripo bei Ihnen anruft und fragt ,Was machen Sie da im Marketing?‘ und wenn bei Amazon die Bewertungen über Sie sich zwischen einem halben Stern und fünf Sternen bewegen, dann schaffen Sie es, dass man über Sie redet“, spitzte es der Coach zu.

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Mit einfachen Tricks zu mehr Kreativität

Um ganz praktische Kreativität ging es auch im Vortrag von Gunnar Spellmeyer. „Werden Sie Grenzsucher und versuchen Sie, Grenzen zu überschreiten“, ermunterte der Professor für Industrial Design an der Hochschule Hannover die Teilnehmer und ließ sie einen Selbst-Test „schreiben“. So konnte jeder einen Eindruck gewinnen, wo die eigene Kreativität an ihre Grenzen stößt. Anschließend gab Gunnar Spellmeyer Tipps, wie einfache gedankliche Tricks neue Kreativitätspotenziale freisetzen und die Zahl der Ideen vergrößern.

Mit Irrtümern und der Verunsicherung rund um das Thema Big Data räumte Valerie Eichinger auf. Sie ist Data Scientist bei Upstream Mobility, einem Unternehmen, an dem die Wiener Linien zu 51 und die Wiener Stadtwerke zu 49 Prozent beteiligt sind. Ihr Appell an die Teilnehmer des VDV-Marketingkongresses: „Betreiben Sie Datenmarketing und schaffen Sie ein Bewusstsein für Datenthemen.“ Und außerdem gelte: „Keine Panik vor Irrtümern.“ Technologie dürfe jedoch nicht zum Selbstzweck werden, und die Privatsphäre der Menschen müsse geschützt werden, mahnte Valerie Eichinger: „Der Mensch muss im Zentrum stehen.“

Den Impulsvortrag am zweiten Tag hielt Susanne Pöchacker. Unter dem Motto „Erzähl mir keine Geschichten“ ging es genau darum – um Storytelling und was gute Geschichten ausmacht und wie sie funktionieren. Am Ende der Veranstaltung wurde der Staffelstab weitergereicht an José Luis Castrillo (VRR), der das VDV-Symposium „Preis und Vertrieb“ inhaltlich verantwortet. Dieses wird sich zukünftig mit dem Marketingkongress abwechseln und im Oktober 2019 zum zweiten Mal stattfinden. Der nächste Marketingkongress ist für 2020 geplant.

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Informationen

dazu:
www.vdv-akademie.de