Hintergrund

Modellstädte nehmen Fahrt auf

Dichtere Takte, neue Linien und während des Projektzeitraums vergünstigte Tickets: Bonn, Essen, Herrenberg, Mannheim und Reutlingen haben ihr ÖPNV-Angebot spürbar verbessert. Die fünf Modellstädte testen noch bis 2020, wie sich Stickoxide schnell und wirksam reduzieren lassen. Zusätzlich zum „Sofortprogramm saubere Luft“ unterstützt der Bund innovative Verkehrsprojekte in den fünf Modellstädten mit 130 Millionen Euro. Eine Zwischenbilanz.


Modellstadt Essen

Das sind gute Argumente auch für Autofahrer, jetzt ganz oder zumindest teilweise auf Bus und Bahn umzusteigen.

Michael Feller,
Geschäftsführer der Ruhrbahn

Essen kommt als Modellstadt für die Luftreinhaltung zunehmend in Fahrt. Im September startete eine zweite Verkaufsphase von vergünstigten Abos, begleitet von einer weiteren Stufe einer groß angelegten Werbekampagne zu den bereits verdichteten Takten und den preiswerteren Tickets. Seit Juni setzt die Ruhrbahn ihr neues Fahrplankonzept um. Sechs Bus- und eine Straßenbahnlinie werden in den Hauptverkehrszeiten nun alle fünf statt alle zehn Minuten bedient. „Wir denken, das sind gute Argumente auch für Autofahrer, jetzt ganz oder zumindest teilweise auf Bus und Bahn umzusteigen“, erklärt Ruhrbahn-Geschäftsführer Michael Feller. Für den dichteren Takt und die gesteigerte Fahrleistung benötigt die Ruhrbahn zusätzliches Fahrpersonal und mehr Fahrzeuge. 76 neue Fahrer wurden eingestellt und 24 zusätzliche Busse teilweise neu beschafft. Da der Platz auf den bestehenden Betriebshöfen ausgeschöpft ist, baut die Ruhrbahn eine neue Abstellfläche für 30 Busse. Im Zuge der Angebotsausweitung wurden auch die Haltestelle am Hauptbahnhof sowie weitere Haltestellen im Stadtgebiet ausgebaut.

Auch in Essen sollen vergünstigte Tickets Neukunden den Umstieg auf den ÖPNV schmackhaft machen. Die Stadt Essen wertet den bisherigen Verkauf der Modellstadt-Tickets als Erfolg. In einer ersten Tranche wurden die im VRR häufig genutzten Tickets „1.000“ oder „2.000“ für Neukunden zum halben Preis angeboten. Die 1.000 Tickets waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Bis Ende August wurden 1.445 vergünstigte Firmentickets, 2.179 Monatstickets und 1.714 Schnupperwochenende-Tickets verkauft.

Noch bis zum Abschluss des Projekts Ende Dezember 2020 gibt es weitere Tarifangebote: Neukunden, die ein 30-Tage-Ticket für das Essener Stadtgebiet über die Ruhrbahn-App „Zäpp“ kaufen, erhalten ein weiteres Monatsticket kostenlos. Dies ist im Aktionszeitraum bis Ende 2020 maximal zwölf Mal möglich. Zudem gibt es für Abokunden Vorteile beim Car- und Bikesharing.

76

Fahrer


hat die Ruhrbahn neu eingestellt, um den dichteren Takt und die gesteigerte Fahrleistung anbieten zu können. 24 Busse hat sie teilweise neu beschafft.

Die Ruhrbahn flankiert das Projekt „Modellstadt Essen“ mit einer groß angelegten Werbekampagne.

Zusätzlich verbessert die Stadt ihr Radverkehrsnetz: Im Rahmen des Lead-City-Projektes werden drei neue Fahrradachsen im Stadtgebiet umgesetzt und zwölf weitere Kilometer Radwege geschaffen. Unabhängig davon will die Stadt die letzten Lücken im Haupt-Radwege-Netz schließen.

Der Bund hatte der zweitgrößten Stadt des Ruhrgebiets im Rahmen des Modellstadt-Projekts 21 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.


Modellstadt Reutlingen

Der 9. September 2019 war für die Stadt Reutlingen und ihren ÖPNV ein besonderer Tag: Zum Ende der Sommerferien ging das erweiterte Stadtbusnetz in Betrieb. Damit kamen zehn neue Buslinien und mehr als 100 Haltestellen hinzu. Fahrpläne wurden verdichtet, bestehende Verbindungen verlängert. Insgesamt erhöhte sich das Fahrtenangebot von vier auf sechs Millionen Fahrplankilometer. Zwischen der Altstadt und der Oststadt ist eine neue zentrale Achse für den Nahverkehr entstanden. Über sie nehmen in kurzen Abständen zwölf Buslinien ihren Weg. Ohne Umstieg in der Innenstadt und ohne Wartezeit können Fahrgäste nun viele Stadtteile und Gemeinden rund um Reutlingen sowie Gewerbegebiete auf direktem Weg erreichen. Die neuen Buslinien schließen Lücken im bisherigen Stadtbusnetz. Dazu zählen auch sechs Quartiersbuslinien, auf denen Kleinbusse die Wohngebiete in den Hanglagen ansteuern. Auf einer Pilotstrecke dorthin soll zudem die Mitnahme von Fahrrädern getestet werden.

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Das stellt den Beginn eines neuen Mobilitätszeitalters in der Stadt Reutlingen dar.

Steffen Bilger,
Parl. Staatssekretär im BMVI

„Das stellt den Beginn eines neuen Mobilitätszeitalters in der Stadt Reutlingen dar“, sagte Steffen Bilger, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, zur Eröffnung des neuen Netzes. Als ÖPNV-­Modellstadt hat Reutlingen 14,55 Millionen Euro erhalten. Mit dem Geld vom Bund wurden nicht nur die Einrichtung der neuen Nahverkehrsachse und der Bau von insgesamt 113 neuen Haltestellen gefördert, sondern es dient auch bis 2020 als Zuschuss für den Betrieb und zum Ausgleich des zu erwartenden Defizits. Darüber hinaus konnten mit den Fördermitteln ein Umwelt-Ticket-Paket geschnürt und Tarife gesenkt werden.

Seit Januar gibt es das 365-Euro-Jahresabo des Verkehrsverbunds Neckar-Alb-Donau, kurz Naldo. Waren im Dezember 2018 noch etwa 1.000 Nutzer mit dem persönlichen Jahresabo unterwegs, so lag die Zahl Ende August 2019 bei knapp 3.000. Von den etwa 2.000 zusätzlichen Nutzern dieses persönlichen Jahresabos sind 972 Neukunden. Das Monatsabo kostet nun 33 statt 46,20 Euro. Mit ermäßigten Tagestickets können Erwachsene (3,50 statt 4,40 Euro) und Kinder (2,50 statt 3,60 Euro) als Gelegenheitsfahrer den kompletten ÖPNV in der „Tarif-Wabe“ Reutlingen nutzen.

Die Zahl der verkauften Tagestickets für Erwachsene nahm von Januar bis August 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 105.000 Tickets beziehungsweise 77,5 Prozent zu. Insgesamt beförderten die Stadtbusse schon vor dem Start des neuen Netzes zwischen Januar und August 2019 2,9 Prozent mehr Fahrgäste als im Vorjahreszeitraum.


Modellstadt Bonn

Mit den Angebotsverbesserungen zum Fahrplanwechsel im August und dem Auftakt für das betriebliche Mobilitätsmanagement sind nun auch die letzten ausstehenden Maßnahmen des Förderprojektes „Modellstadt Luftreinhaltung“ („Lead City“) in Bonn und der Region in die Umsetzungsphase eingetreten. Nun fahren Busse und Bahnen im Stadtgebiet und darüber hinaus in einem dichteren Takt sowie vereinzelt auf neuen Linienwegen. In einer ersten Stufe war das ÖPNV-Angebot bereits im Dezember ausgeweitet worden. Seitdem gibt es eine neue Tangentialverbindung zwischen Venusberg und Beuel. Durch sie entfallen die Umweg-Fahrten über den Hauptbahnhof. Unter der Woche wurde zudem der Zehn- beziehungsweise 20-Minuten-Takt auf den Hauptlinien bis etwa 20.30 Uhr im Rahmen des Förderprojektes ausgeweitet. Mit dem Ende der NRW-Sommerferien wurde die Taktverdichtung auf allen Hauptlinien auch am Wochenende eingeführt. Ebenfalls verdichtet, weiterentwickelt und somit verbessert wurde eine Reihe von Regionalbuslinien der RSVG und der RVK.

Mit Hilfe der aktuellen Angebotsverbesserungen möchte die Stadt Bonn mit ihren Partnern Rhein-Sieg-Kreis und den Verkehrsunternehmen SWB Bus und Bahn, RSVG und RVK den ÖPNV attraktiver gestalten, Alternativen zum Auto bieten und zum Umstieg motivieren. Hierbei kommt es im Berufs- und im Einkaufs- und Freizeitverkehr zu deutlichen Verbesserungen. So sollen dem höheren Verkehrsbedarf während der Öffnungszeiten der Geschäfte Rechnung getragen sowie Kapazitäten für Fahrgastzuwächse geschaffen werden. Für die Angebotsausweitungen haben die SWB Bus und Bahn ihr Fahrpersonal um 50 Personen aufgestockt. Auch bei der RVK und RSVG beziehungsweise deren Subunternehmern gab es Neu-Einstellungen.

Auch preislich ist der Bonner ÖPNV attraktiver geworden. Von den 17.000 im Budget abgedeckten 365-Euro-„Klima-Jahrestickets“ für Neukunden wurden im ersten Halbjahr 2019 etwa 5.000 Verträge abgeschlossen. Auch wenn das Kontingent bei Weitem nicht ausgeschöpft wird, ist die Stadt Bonn mit den bisherigen Verkaufszahlen zufrieden. Es war eine Zielsetzung im Test, die Nachfrage komplett abdecken zu können. Da die Fördermittel und die Projektlaufzeit begrenzt sind, gibt es derzeit keine Pläne, die auf die Innenstadt beschränkte Gültigkeit zu erweitern. Beim Fünf-Personen-24-Stunden-Ticket übertreffen die Verkaufszahlen die Prognosen der SWB und der Stadtverwaltung deutlich. Im ersten Halbjahr 2019 wurden mehr als 20.000 der preisreduzierten 24-Stunden-Tickets verkauft. Die Stadt hat bereits beim BMVI beantragt, das Kontingent zu erhöhen.

50

Mitarbeiter

sind von der SWB Bus und Bahn zusätzlich eingestellt worden. Neueinstellungen gab es auch bei der RVK und der RSVG sowie deren Sub­unternehmen.

Obwohl die Erfahrungen mit den jeweiligen Tickets unterschiedlich ausfallen, sind die SWB und die Stadt bislang zufrieden: „Die Verkaufszahlen und erste Ergebnisse von Befragungen bestätigen, dass attraktive Tarifangebote einen wichtigen Beitrag zum Umstieg auf den ÖPNV leisten – sowohl für Vielfahrer als auch für Gelegenheitsverkehre“, erläutert Isabel Klotz vom Presseamt der Stadt Bonn. Durch weiteres Marketing sei damit zu rechnen, dass die Abnahmemenge steigt. Mit der Bewertung der einzelnen Maßnahmen haben die Stadt Bonn und die Bundesministerien bereits begonnen. Zusammen mit den Projektpartnern wollen sie zum Ende der Projektlaufzeit der Bundesregierung die Ergebnisse vorlegen.
Wenig angenommen wird dagegen bislang das geförderte Jobticket. Dieses richtet sich an Unternehmen, die bisher keinen Jobticketvertrag haben. Bisher konnten nur drei Unternehmen gewonnen werden. Zwar besteht beim Großteil der Firmen, mit denen verhandelt wurde, grundsätzlich Interesse. Allerdings sei es schwierig, auf die reduzierte Mindestabnahme-Menge zu kommen. Weitere Verhandlungen laufen, und mit Unterstützung der Verbände, zum Beispiel der IHK Bonn/Rhein-Sieg, wird für das Angebot geworben.

Ebenfalls an Unternehmen sowie alle Arbeitgeber – also auch öffentliche Einrichtungen und Behörden – richtet sich das betriebliche Mobilitätsmanagement. Damit möchten die Stadt Bonn, die Verwaltung des Rhein-Sieg-Kreises und das beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg angesiedelte „Zukunftsnetz Mobilität“ Arbeitgebern helfen, die Mobilität ihrer Beschäftigen zu verbessern. Ein dafür ins Leben gerufenes Mobilitätsteam soll Arbeitgeber, Kommunen und Verkehrsunternehmen vernetzen. Zudem erarbeitet das Team arbeitgeberbezogen Analysen und Konzepte zur Pendlermobilität sowie Test-Angebote und Maßnahmen der Kommunen beziehungsweise Verkehrsunternehmen. Das betriebliche Mobilitätsmanagement spricht zunächst Arbeitgeber mit mehr als 500 Beschäftigten aktiv an.


Modellstadt Herrenberg

In Herrenberg soll der Verkehr bald besser fließen – und damit sollen die Stick­oxid-Emissionen unter den Grenzwert sinken. Um dem „Stop-and-go“ ein Ende zu setzen, will die 30.000-Einwohnerstadt südwestlich von Stuttgart unter anderem den Verkehr digital steuern, die Mobilität smart vernetzen, Radwege ausbauen und den ÖPNV durch zusätzliche Fahrten und vergünstigte Tickets stärken. Dafür hat die Stadt aus dem Sofortprogramm circa vier Millionen Euro erhalten. „Nach knapp einem Dreivierteljahr zeichnet sich bereits ab, dass unsere Modellstadt-Maßnahmen im Bereich des ÖPNV Wirkung zeigen“, erklärt Karsten Kühn, Leiter der Stadtwerke Herrenberg.

Nach knapp einem Dreivierteljahr zeichnet sich bereits ab, dass unsere Modellstadt-Maßnahmen im ÖPNV Wirkung zeigen.

Karsten Kühn,
Leiter der Stadtwerke Herrenberg

Seit Dezember 2018 verkehrt in der Kernstadt ein dritter Bus. Er wurde neu angeschafft. Durch seinen Einsatz kann die am stärksten genutzte Linie statt zuvor im Stundentakt nun alle 30 Minuten bedient werden, und es gibt weniger Verspätungen. Dadurch verbessert sich der Anschluss an die S-Bahnen Richtung Stuttgart, wovon Pendler profitieren. Auf diese Weise erhöht sich die Zahl der von den Bussen zurückgelegten Kilometer um etwa 45 Prozent auf jährlich fast 180.000. „Der zusätzliche dritte Citybus, die Busse und Kleinbusse in den Abendstunden sowie die neuen, günstigeren Tagestickets haben den öffentlichen Nahverkehr in Herrenberg attraktiver gemacht und kommen gut an“, so Karsten Kühn. Nicht zuletzt zeigt sich das daran, dass im Gelegenheitsverkehr die Zahlen der Fahrgäste und der verkauften vergünstigten Tickets gestiegen sind. Ein Plus von 27 Prozent gab es im ersten Halbjahr bei den Verkaufszahlen von Fahrkarten im Gelegenheitsverkehr – also ohne Monats- und Jahrestickets. Seit Anfang 2019 kostet das Einzeltagesticket für den Stadttarif drei Euro. Im Vorjahr lag der Preis – allerdings für zwei Zonen – noch bei sieben Euro. Mit dem Gruppentagesticket fahren fünf Personen für sechs Euro. Der Preis des Monatstickets ist um 20 Euro gesenkt worden. Es kostet jetzt 47,60 Euro.

Neben den Verbesserungen im ÖPNV-Angebot setzt Herrenberg auf bauliche Maßnahmen, Digitalisierung und Daten. Auf den Hauptachsen soll eine Verkehrssteuerung die Geschwindigkeit vorgeben und so den Verkehrsfluss sicherstellen. Linienbusse sollen an den Ampeln Vorrang haben. Auf digitalem Weg will sich die Stadt ein Bild vom Verkehr auf ihren wichtigsten Straßen machen. Dafür wurden 55 Fahrzeuge – darunter vier Autos aus dem städtischen Fuhrpark und private Pkw – mit Messmodulen ausgestattet. Seit Februar sammeln sie Daten. Anhand dieser Informationen will die Stadt sehen, ob die baulichen Maßnahmen wirken oder ob die Planungen angepasst werden müssen. Des Weiteren soll ab Ende des Jahres die erste Version einer Mobilitäts-App für PC, Tablets und Smartphones verfügbar sein. Sie soll ihren Nutzern anzeigen, wie sie ihr Ziel zu Fuß oder in Kombination mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln erreichen können. Darin eingebunden werden die Fahrplaninformationen des ÖPNV; innerhalb des kommenden Jahres in Echtzeit.

Die Mobilitätsplattform soll nach und nach ausgebaut werden – nicht nur mit Infos zum aktuellen Verkehrsfluss in Herrenberg, sondern auch zu freien Parkplätzen und verfügbaren Rädern im Bikesharing. Denn auch Radfahren und Zu-Fuß-Gehen sollen attraktiver werden. Für den Ausbau von Radwegen und Schutzstreifen werden Parkplätze weichen. Zusätzliche Querungsmöglichkeiten sollen es für Fußgänger einfacher und sicherer machen. „Erst im kommenden Jahr werden all unsere Modellstadt-Maßnahmen evaluiert – und erst dann können Rückschlüsse gezogen werden, wie sich das Gesamtpaket auf die Luftqualität in Herrenberg auswirkt“, so Stadtwerke-Leiter Karsten Kühn.


Modellstadt Mannheim

„Die wichtigsten Erkenntnisse sind, dass die vergünstigten Tickets wie erwartet zu einer Steigerung der ÖPNV-Nutzung geführt haben.“ So lautet die erste Bilanz von Mannheims Erstem Bürgermeister und ÖPNV-Dezernenten Christian Specht: „Die Fahrzeuge sind inzwischen um 5,9 Prozent mehr belegt.“ Auf der Linie mit verdichteten Takten und verbessertem Angebot stiegen 26 Prozent mehr Fahrgäste ein. „Es ist wichtig, den Nutzern ein gutes Angebot im Sinne des Fahrkomforts und der Verfügbarkeit anzubieten, anstatt lediglich Preise zu senken“, so Christian Specht. Ob es sich bei den neuen Fahrgästen, die seit Anfang des Jahres den ÖPNV verstärkt nutzen, um Umsteiger vom Auto handelt, muss noch ausgewertet werden.

26

Prozent

mehr Fahrgäste wurden in der ÖPNV-Modellstadt Mannheim auf der Linie mit verdichteten Takten gezählt. Insgesamt hat sich die Auslastung der Fahrzeuge um 5,9 Prozent erhöht.

Ferner zeichnet sich ab, dass die Fahrgäste nun auf die vergünstigen Modellstadt-Tickets zurückgreifen. Denn die Verkaufszahlen von Tickets, die nicht im Rahmen der Modellstadt-Maßnahmen preiswerter wurden, sind rückläufig. Das gilt vor allem für die die regulären Tages- und Wochenkarten. Als großen Erfolg sehen die Beteiligten die Ausweitung des Job-Tickets, das nun über 260 Mannheimer Unternehmen, mehr als 100 davon neu, anbieten. Damit haben jetzt insgesamt rund 35.000 Beschäftigte in Mannheim die Möglichkeit, dieses Angebot zu nutzen und vergünstigt zur Arbeit zu pendeln. Der Kreis der möglichen Nutzer hat sich um mehr als 7.600 Beschäftigte vergrößert. „Darüber hinaus planen wir im nächsten Jahr ein neues Job-Ticket-Modell, das eine Grundbeitragsbefreiung für Arbeitgeber vorsieht und nur für die Mitarbeiter zu zahlen ist, die auch tatsächlich den ÖPNV nutzen. Das wird sicherlich ein weiterer Erfolg in diesem Tarifsegment”, erläutert Volkhard Malik, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN).

Beim „eTarif“, der nur die tatsächlich zurückgelegte Luftlinie berechnet, ist im Rahmen einer der Modellstadt-Maßnahmen der Grundpreis um mehr als ein Drittel gesunken. Seither haben sich die Zahl der Fahrten verdoppelt und die Zahl der Nutzer um die Hälfte gesteigert. Eine weitere zentrale Erkenntnis des Modellstadt-Projekts ist der Kosten-Aspekt: Die Einnahmen, die durch die erhöhten Fahrgastzahlen seit Beginn des Projekts generiert werden, kompensieren nicht die entstehenden Kosten. „Letztlich wird man immer draufzahlen müssen, wenn man die Maßnahmen in dieser Form anbieten möchte, insbesondere die Tarifmaßnahmen“, bilanziert Christian Specht. „Wenn wir das Maßnahmenpaket also langfristig in dieser Form anbieten wollen, bedarf es finanzieller Unterstützung durch den Bund.“

Grünes Licht: Der illuminierte Mannheimer Wasserturm (Foto o.) und Livemusik von der Green City Band  warben im Sommer für die Modellstadt Mannheim.

Im November wird das Busangebot mit einer neuen Linie weiter verbessert. Sie bindet die Pop-Akademie, die Hochschule und ein neues Stadtquartier an. Martin in der Beek, technischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr, sagt: „Den Erfolg, den wir mit den Angebotsverbesserungen bisher hatten, möchten wir gern wiederholen."

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