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Elektrobusse sind im Kommen

Immer mehr europäische Verkehrsunternehmen erproben Batteriebusse. Dass die Fahrzeuge mit der noch vergleichsweise jungen Antriebstechnik im ÖPNV langsam, aber sicher an Bedeutung gewinnen, zeigte sich erneut auf der Konferenz „Elektrobusse – Markt der Zukunft!“

Angesichts der erforderlichen CO2-Einsparungen und der Diskussion um die Luftreinhaltung in den Städten gelten Batteriebusse auch in der Politik zunehmend als ein Teil der Lösung – wie der gesamte ÖPNV. Europaweit testen Verkehrsunternehmen in 60 Städten die neue Antriebstechnik, erläuterte Dr. Michael Faltenbacher vom EU-Projekt „Zero Emission Urban Bus System“ (ZeUS).Mit diesem fördert Brüssel unterschiedliche technologische Ansätze und lässt verschiedene Komponenten und Systeme auf ihre Betriebsfähigkeit erproben.

Fortschritte bei Batterietechnik erwartet

Allein in Deutschland sammeln 30 Verkehrsunternehmen Erfahrungen mit E-Bussen und der Ladeinfrastruktur. Dabei setzen sie Betriebskonzepte um, bei denen die Batterien über Nacht oder unterwegs geladen werden – beispielsweise durch Plug-in-­Stecker oder durch Pantographen, über die die Energie aus Fahrleitungen oder Ladestationen in die Batterie gespeist wird. Aus den Vorträgen konnte ein Trend zur Nachtladung im Depot erkannt werden. Im Durchschnitt erreichen die Batteriebusse eine Verfügbarkeit von 85 Prozent – ein Wert, der bei den Verkehrsunternehmen noch zu wünschen übrig lässt. Zudem erwarten sie Fortschritte bei der Batterietechnologie und der Wirtschaftlichkeit.

Da die Elektromobilität ebenfalls bei anderen Straßenfahrzeugen Einzug hält, dürften fallende Batteriepreise dieser Entwicklung zusätzlichen Schub geben. Über die gesamte Nutzungsdauer sind die E-Busse je 100 Kilometer derzeit noch 40 bis 60 Euro teurer als Dieselbusse. „Unter anderem deswegen sind wir weiterhin auf Förderprogramme der Bundespolitik angewiesen“, erläuterte Martin Schmitz, Geschäftsführer Technik beim VDV.

Es geht es nicht mehr darum, ob sich die Technologie durchsetzt, sondern letztlich um die Frage, wann es soweit sein wird.

Rainer Bomba, Parlamentarischer Staatssekretär im BMVI
Die Zahl der Aussteller und Teilnehmer ist in diesem Jahr erneut gestiegen.

Foto: Stefan Temme

Viel Applaus gab es daher für die Ankündigung von Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, die weitere Förderung der Elektromobilität noch vor dem Ende der Legislaturperiode auf den Weg zu bringen: „Der Elektromobilität gehört auch im ÖPNV die Zukunft. Allerdings müssen wir unsere Elektrobusse dafür auch wettbewerbsfähig machen. Ohne entsprechende staatliche Unterstützung wird dies nicht möglich sein.“ Rainer Bomba, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, bekräftigte: „Die Bundesregierung wird ihr bisheriges Engagement zur Förderung der Einführung elektrisch angetriebener Busse im ÖPNV in den kommenden Jahren auf hohem Niveau fortführen.“ So gebe es bereits entsprechende Gespräche mit dem Umweltministerium mit dem Ziel, sich auf eine gemeinsame Förderhöhe zu einigen. „Schließlich geht es nicht mehr darum, ob sich die Technologie durchsetzt, sondern letztlich um die Frage, wann es soweit sein wird.“

Wir müssen unsere Elektrobusse wettbewerbsfähig machen. Ohne entsprechende staatliche Unterstützung wird dies nicht möglich sein.

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im BMU

E-Busse in größeren Stückzahlen kaufen

Derzeit arbeiten Hersteller, Verkehrsunternehmen und der VDV mit seinem E-Bus-Lenkungskreis an Normen und Standards – vor allem an der Schnittstelle zwischen Bussen und Ladestationen. „Ziel ist es, bis Ende 2019 eine europäische Norm festzulegen“, erklärte Martin Schmitz. Die Zeit drängt, denn einige Verkehrsunternehmen wollen ab 2020 nur noch emissionsarme Busse in Betrieb nehmen. Nach den ersten Erfahrungen haben immer mehr Verkehrsunternehmen die Absicht, Elektrobusse in immer größeren Stückzahlen zu beschaffen.

Adolf Müller-Hellmann (l.) moderierte letztmalig die E-Bus-Konferenz.

Foto: Markus Bollen

Die Dynamik der Branche spiegelte sich auf der Konferenz wider. 420 Teilnehmer waren gekommen – neuer Rekord. Gestiegen war auch die Zahl der Aussteller, die auf der eng mit der Konferenz verbundenen „ElekBu“ ihre Fahrzeuge, Komponenten und Dienstleistungen präsentierten. „Trotz der erneut vergrößerten Ausstellungsfläche haben wir das Konzept beibehalten, Konferenz und Ausstellung eng zu verzahnen“, erläuterte Prof. Adolf Müller-Hellmann, Vorstandsmitglied des veranstaltenden „Forums für Verkehr und Logistik“. Allerdings stößt das Wachstum von Konferenz und Ausstellung an die räumlichen Grenzen des bisherigen Veranstaltungsorts. Die Macher haben deshalb angekündigt, im kommenden Jahr ins Berliner „Estrel“ zu wechseln. Dort können dann auch Gelenkbusse gezeigt werden. Zudem wird es eine personelle Veränderung geben: Adolf Müller-Hellmann kündigte seinen Abschied in den „Ruhestand“ an. Lange Jahre hatte er die E-Bus-Konferenz als Geschäftsführer des „Forums für Verkehr und Logistik“ mitorganisiert und der Veranstaltung durch seine Moderation seinen Qualitätsstempel aufgedrückt. Dafür erntete er den anerkennenden Beifall der Teilnehmer.

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