Aus dem Verband

Vielfältig im Einsatz für mehr Nachhaltigkeit

In unterschiedlichen Bereichen setzen sich in ganz Deutschland Verkehrsunternehmen dafür ein, die globalen Ziele für Nachhaltigkeit zu erreichen – die Sustainable Development Goals (SDGs). „VDV Das Magazin“ stellt in einer dreiteiligen Serie verschiedene Aktivitäten vor. In dieser letzten Folge schauen wir nach Bremen, Dresden, Nürnberg, Frankfurt am Main und nach Darmstadt.


„VDV Das Magazin“ stellt die unterschiedlichen Aktivitäten
verschiedener Verkehrsunternehmen zu diesen neun SDGs vor.
Hier finden Sie Teil 1 und hier Teil 2.

Dresden: DVB Unterstützen Das Projekt „Nachhaltige Johannstadt“

Bild: Virtual-architects.net/Damien Jdanoff

Wie kann ein dichtbesiedelter, citynaher Stadtteil bis 2025 besonders klimafreundlich und lebenswert gestaltet werden? Dazu sammeln die Dresdner Erfahrungen in ihrem vom Bundesumweltministerium geförderten Projekt „Nachhaltige Johannstadt 2025“. In den Handlungsfeldern Wohnen, Konsum/Ernährung und Mobilität werden die etwa 25.000 Einwohner im Stadtteil motiviert, ihr Alltagshandeln klimafreundlicher zu gestalten – etwa auf Ökostrom umzustellen, Lebensmittelabfälle zu reduzieren sowie Wege zu vermeiden oder zu verkürzen und sie auf möglichst umweltfreundliche Art und Weise zurückzulegen. An dieser Stelle kommen die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) als Experten für die Nahmobilität und als örtliche Unterstützer des Projekts ins Spiel.
Um möglichst viele Bewohner zu erreichen, sind unter anderem Beteiligungen vor Ort und – wichtig für den ­interkulturell geprägten Stadtteil – ein mehrsprachiger Internetauftritt geplant. Der Auftakt zum Projekt im Februar in Form eines World Cafés (siehe kleines Foto) brachte erste Anregungen für Maßnahmen, die Schritt für Schritt zu einem gemeinsamen Aktionsplan zusammengeführt werden. Im Bereich Mobilität ging es dabei unter anderem um Tempo 30, sichere Fußwege und Zebrastreifen, um Platz zum Radfahren und -abstellen und um ordentliche Schulwege, die Elterntaxis vermeiden. Natürlich wurden durchaus auch kontrovers die Pläne diskutiert, die zahlreichen Busse im Stadtteil durch eine Straßenbahnlinie abzulösen (siehe Visualisierung). In der zweiten Projektphase ab Oktober 2019 sollen verschiedene Teile des Aktionsplans bis zum Projektende 2022 modellhaft umgesetzt werden.


Bremen: BSAG stärkt die Identifikation mit dem Beruf und dem Unternehmen

Ein wesentlicher Baustein bei der Personalentwicklung der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) ist, die Kompetenzen von Mitarbeitern aufzubauen und zu erhalten. Denn diese sollen schließlich langfristig beschäftigt werden und leistungsfähig bleiben. Ein neues Förderkonzept richtet sich speziell an ausgelernte Fachkräfte im Fahrbetrieb. Ziel ist unter anderem, ihre Persönlichkeit und ihre Identifikation mit ihren Aufgaben im Fahrdienst zu stärken. Im Mittelpunkt steht dabei der Gedanke, wie Gesundheit und Wohlbefinden erlangt beziehungsweise ausgebaut werden können (Salutogenese). Mit dem Gefühl von Zugehörigkeit zum Unternehmen und Zusammenhalt am Arbeitsplatz sowie der Gewissheit, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen, soll die Zufriedenheit gestärkt und idealerweise das gesundheitliche Befinden gefördert werden – und damit auch die Bindung ans Unternehmen.
Darüber hinaus bietet die BSAG Chancen für Arbeitssuchende und Arbeitslose, wenn sie bestimmte gesundheitliche Voraussetzungen und ausreichende Deutschkenntnisse mitbringen sowie ein kundenorientiertes Verhalten zeigen. In Zusammenarbeit mit dem Bremer Jobcenter bietet das Verkehrsunternehmen eine Qualifizierung in den drei Bereichen Fahrgastservice und Ticketprüfung, Busfahrer sowie Fahrdienstvorbereitung inklusive einer Mischtätigkeit in den Bereichen an. In den vergangenen drei Jahren haben 99 Teilnehmer diese Qualifizierung genutzt. Nach erfolgreichem Abschluss wurden 83 Prozent von ihnen übernommen.


VAG Nürnberg: Hersteller müssen langfristig Ersatzteile liefern können

Schienenfahrzeuge sind 30, manchmal bis zu 40 Jahre im Einsatz. Der langen Lebensdauer stehen immer kürzere technische Innovationszyklen gegenüber – etwa bei elektronischen Bauteilen. Sind bestimmte Ersatzteile veraltet oder werden sie nicht mehr hergestellt, sprechen die Einkäufer in den Verkehrsunternehmen von „Obsoleszenz“. Die wiederum stellt die Einkäufer und das Fachpersonal der Instandhaltung vor besondere Aufgaben, denn es gilt, adäquaten Ersatz zu beschaffen. Das ist ein kostspieliges und zeitaufwendiges Unterfangen. Das Risiko, dass ein Teil der Flotte vorübergehend stillgelegt werden muss und hohe Investitionen für ein Redesign notwendig sind, steigt immens. Deshalb gehen Verkehrsunternehmen dazu über, sich schon bei der Beschaffung bestimmter Waren und Güter langfristig die Ersatzteilversorgung vom Hersteller zusichern zu lassen. Bei der VAG Nürnberg ist das Thema Obsoleszenz-Management inzwischen für alle Fahrzeugbeschaffungen ein relevantes Vergabekriterium. Bei den neuen U-Bahnen (Foto) hat das Verkehrsunternehmen die Anbieter bereits in der Ausschreibungsphase dazu verpflichtet, zusammen mit dem Angebot ihre Kompetenz auf diesem Gebiet darzustellen und zu zeigen, wie ein Konzept für die Überwachung und die langfristige Verfügbarkeit der verbauten Komponenten umgesetzt werden kann. Außerdem muss der Hersteller einen Obsoleszenz-Beauftragten benennen. Er setzt die Anforderungen um und gibt als Bindeglied zum Betreiber frühzeitig Bescheid, wenn Abkündigungen bei Ersatzteilen drohen. In regelmäßigen Runden werden gemeinsam mit der VAG Nürnberg notwendige Gegenmaßnahmen festgelegt. Zudem betreiben die Franken zusammen mit über 30 anderen Betreibern (zum Beispiel Deutsche Bahn, Schweizerische Bundesbahnen und Berliner Verkehrsbetriebe) ein europaweites Austauschportal. Abkündigungen können dort samt Dokumentation eingestellt werden, und die Nutzer unterstützen sich gegenseitig mit Lösungsvorschlägen oder können mit eigenen Restbeständen behilflich sein.
www.obsolescence-management.net


Frankfurt: Leistung des ÖPNV-Systems zu überschaubaren Kosten ausbauen

Viele große Städte in Deutschland und ihre urbanen Umgebungen wachsen. Das bedeutet mehr Arbeitsplätze, mehr Einwohner, oftmals mehr Pendler. Die Ansprüche an Mobilität steigen damit stetig. Zusätzlich verstärkt die Zunahme des Online-Handels den Logistikverkehr. Beides zusammen erhöht das Verkehrsaufkommen und verschlechtert die Luftqualität. Das gilt auch in Frankfurt am Main. Welche Antworten kann der ÖPNV in dieser Situation anbieten? Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) hat dafür ein Weiterentwicklungskonzept erarbeitet. Mit ihm soll die Leistungsfähigkeit des bestehenden Systems zu finanzierbaren Kosten gesteigert werden. Erfolgversprechend erscheint die Einführung längerer Zugeinheiten. Vorhandene Züge, sowohl Straßenbahnen wie auch U-Bahnen, sollen kurzfristig mittels eines weiteren Fahrzeugteils (Mittel­wagen) verlängert werden, um dem wachsenden Fahrgastaufkommen gerecht zu werden. Eine weitere Innovation, die die VGF in Frankfurt erprobt, ist die Logistiktram (Foto). Sie soll in den Schwachverkehrszeiten sogenannte ­Microdepots im Stadtgebiet beliefern, von denen aus anschließend insbesondere Waren aus dem Online-Versand mit Fahrradkurieren zu den Kunden transportiert werden.


Darmstadt: HEAG mobilo seit vielen Jahren zu 100 Prozent mit Ökostrom unterwegs

Als eines der ersten Verkehrsunternehmen in Deutschland hatte Heag Mobilo bereits 2008 den Bedarf an Fahrstrom auf klimaneutralen Ökostrom aus regenerativen Energiequellen umgestellt. Ziel der Darmstädter war und ist es, den CO2-Ausstoß des Unternehmens möglichst gering zu halten. So bezieht Heag Mobilo seit 2010 ausschließlich Ökostrom – auch für sämtliche Betriebsanlagen. Geheizt wird seit 2012 zudem ausschließlich mit klimaneutralem Erdgas.
Auch seinen Energieverbrauch will das Unternehmen reduzieren. So speisen die Straßenbahnen ihre Bremsenergie zurück ins Fahrstromnetz ein. Um den Bedarf an Heizenergie zu senken, wurden auch Fassaden und Dächer der Betriebshöfe umfassend saniert. Um weitere Einsparpotenziale aufzuzeigen, unterzieht sich Heag Mobilo jedes Jahr einem Energieaudit – statt wie vorgeschrieben alle vier Jahre. Darüber hinaus unterstützt der Verkehrskonzern andere Unternehmen bei der Erzeugung regenerativer Energien: Die Photovoltaik-Anlage auf der Abstellhalle gehört zu den größten in Darmstadt; eine zweite Anlage findet sich auf dem Dach des Depots Kranichstein.


Am 25.September 2015 verabschiedeten 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in New York die „Agenda 2030“ für nachhaltige Entwicklung. Diese 17 Ziele (Sustainable Development Goals – SDGs) und 169 Unterziele konkretisieren die Agenda. Insgesamt ergibt sich ein Orientierungsrahmen für eine weltweite nachhaltige Entwicklung bis zum Jahr 2030.