Verband & Branche
9 Min
11. März 2026

Aus der Branche, für die Branche

Qualität in der beruflichen Aus- und Weiterbildung trifft auf fachliche Tiefe und Innovationskraft: Die VDV-Akademie ist der zentrale Bildungsträger im öffentlichen Personenverkehr und im Schienengüterverkehr. Sie hat sich zudem einen Namen gemacht mit Veranstaltungen jeder Größenordnung wie der „mobility move“. In diesem Jahr feiert die VDV-Akademie ihren 25. Geburtstag. „Wir leben Lernen“: Wie dieses Motto umgesetzt wird und was im Jubiläumsjahr ansteht, berichten Stefanie Menke, Vanessa Balck, Harald Kraus und Britta Robels (Foto unten, v. r.).

Mit neuer Aufstellung ins Jubiläumsjahr gestartet

Die VDV-Akademie hat sich im vergangenen Jahr neu aufgestellt. „Mit der neuen Struktur sollen Prozesse weiter verschlankt, neue Bildungsprodukte schneller in die Umsetzung gebracht und digitale Formate konsequent ausgebaut werden“, sagt Alexander Möller, Geschäftsführer der VDV-­Akademie. Zum Gespräch mit „VDV Das Magazin“ trafen sich die Geschäftsbereichsleiterinnen Stefanie Menke (Digitales), Vanessa Balck (Veranstaltungsorganisation) und Britta Robels (Konzeption) sowie Harald Kraus, Vorstandsvorsitzender der VDV-Akademie.

Interview

25 Jahre VDV-Akademie: Inwiefern hat sich die Sicht der Branche auf die Themen Personal und Bildung verändert?

» Harald Kraus: Der Stellenwert der Personalarbeit hat sich in den vergangenen Jahren spürbar erhöht. Wegen des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels ist das Thema in der Mitte der Branche und des VDV angekommen. Damit richtet sich das Augenmerk auch stärker auf die VDV-Akademie.

Woran merken Sie das?

» Harald Kraus: Beispielsweise hat sich die Anzahl der Mitgliedsunternehmen in den vergangenen Jahren auf mittlerweile über 100 deutlich erhöht – und das in einer Zeit, in der sich viele Verkehrsunternehmen aufgrund ihrer schwierigen Finanzierungssituation sehr genau überlegen, wie und wo sie sich beteiligen. Gleichzeitig engagieren sich die Arbeitsdirektoren einiger namhafter ÖPNV-Unternehmen im Vorstand der VDV-Akademie. Zudem ist es die VDV-Akademie, die Großveranstaltungen wie die „mobility move“ mit jährlich steigenden Besucherzahlen und vielen Ausstellern erfolgreich managt.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen im Bildungsmarkt?

» Britta Robels: Die Branche befindet sich in einem Spagat zwischen wachsendem Fachkräftemangel und Kostendruck. Die Gefahr besteht, dass Weiterbildungsbudgets gekürzt werden, um Zeit und Kosten zu sparen. Das wäre allerdings sehr kurzsichtig. Mit passgenauen Weiterbildungsangeboten kann dieser Spagat geschafft werden. Unsere Aufgabe sehen wir darin, die branchenspezifischen Angebote noch bedarfsgerechter und effizienter zu entwickeln.

Wie geschieht das?

» Britta Robels: Wir optimieren permanent die bestehenden Bildungsangebote und entwickeln neue. Beispielsweise erarbeiten wir mit dem Bereich Technik des VDV eine übergeordnete Bildungsstrategie zum Thema Digitalisierung und KI. Hier werden spezifische Inhalte für alle Unternehmensbereiche erarbeitet. Neben technischen Themen erweitern wir unser Produktportfolio laufend – beispielsweise mit Seminaren zu Soft Skills wie Führung, Resilienz und Diversity. Auch Kooperationen mit anderen Bildungsanbietern sowie mit Verlagshäusern und Herstellern gehören zu unserem Tagesgeschäft. Ziel ist es, die bestmöglichen Synergien für die Branche zu bündeln.

» Vanessa Balck: Wir richten uns nach dem Bedarf der Unternehmen und sind auch darauf angewiesen, dass sie uns ihre Bedürfnisse frühzeitig spiegeln.

» Stefanie Menke: Um die Verkehrsunternehmen noch mehr in innovative Projekte einzubinden und den Erfahrungsaustausch zu stärken, bauen wir aktuell ein Projekt-Hub. Es ist ein Experimentierraum, der Unternehmen, Forschungs- und Sozialpartner miteinander vernetzt und Innovationen praxisnah fördert.

Wie hat sich die Bildungsarbeit zuletzt verändert?

» Stefanie Menke: Digitales Lernen hat sich flächendeckend in den Unternehmen etabliert. Die Pandemie hat dieser Entwicklung einen starken Schub verliehen. Gut so, doch dahinter steckt mehr. Digitales Lernen ist kein Trendthema, sondern ein strategisches Instrument, um Kompetenzen schneller, messbarer und skalierbarer zu entwickeln. Die Bildungsarbeit hat sich von einem punktuellen Angebot zu einem kontinuierlichen Management von Kompetenzen entwickelt. Oder anders ausgedrückt: Weiterbildung ist kein Event, sondern ein Prozess.

Wie hat sich die Sicht auf das Thema Personal verändert, und was sind die aktuellen Herausforderungen? Harald Kraus und Britta Robels antworten.

Die VDV-Akademie hat das Thema digitales Lernen schon sehr früh aufgegriffen...

» Stefanie Menke: …und deshalb können wir heute Lernlösungen für Unternehmen aller Größen und für jeden Bedarf anbieten. Individuelle Onlinekurse, für den digitalen Wissensaustausch das Mobilitätsnetzwerk „MoNet-Bildung“ unter www.monet-bildung.de sowie Trainings für das unternehmenseigene Lernmanagementsystem: Wir sind ein Full-Service-Anbieter für digitales Lernen.

Inwiefern profitieren Unternehmen und Mitarbeitende von digitalen Lernlösungen?

» Stefanie Menke: Für die Mitarbeitenden liegt der Vorteil in der Flexibilität und Passgenauigkeit. Wer dezentral oder im Schichtbetrieb arbeitet, zieht besonders großen Nutzen aus den digitalen Lern­angeboten. Unternehmen wiederum schätzen vor allem die Effizienz und die Kosteneinsparungen. Denn digitales Lernen ist plan- und skalierbar. Wir sprechen oft von Future Skills als Schlüsselkompetenzen in der digitalen Transformation. Genau diese Fähigkeiten werden im digitalen Lernen mitgeschult. Davon profitieren Unternehmen und Fachkräfte gleichermaßen.

» Vanessa Balck: Die Plattform „MoNet-Bildung“ hilft uns, die Branche digital zu verbinden und den Wissensverlust durch den demografischen Wandel aufzufangen. Sie ist eine wichtige Schnittstelle zu den Veranstaltungen. Auf dieser Plattform legen wir für die Teilnehmenden Communitys an, über die sie sich im Nachgang weiter zu ihrem Thema austauschen und Unterlagen abrufen können – wie zum Beispiel nach dem ETCS-Kongress, den wir 2025 erstmalig durchgeführt haben und Anfang 2027 wieder anbieten werden.

Auf Veranstaltungen liegt ein Schwerpunkt der VDV-Akademie. Was sind die Highlights des Jubiläumsjahres?

» Vanessa Balck: Wir haben anlässlich unseres Jubiläums ein Programm entwickelt, von dem alle profitieren sollen. Zu den Themen, die uns alle ansprechen und immer beschäftigen, gehört weiterhin der Fachkräftemangel, ebenso die Weiterentwicklung von Führungskräften und natürlich auch das Thema Deeskalation und Kommunikation sowie vieles mehr. Deswegen findet am 25./26. November wieder die VDV-Fachkräftekonferenz in Berlin statt.

Welche Termine sollte man sich außerdem vormerken?

» Vanessa Balck: Zunächst zu nennen ist die „mobility move“, die sich zu unserer größten Veranstaltung entwickelt hat. In diesem Rahmen wird 2026 erstmalig der Mobility E-Learning Award (Mela) verliehen, mit dem wir hervorragendes digitales Lernen auszeichnen. Am 27. April findet die „VDV-Plattform zur digitalen Transformation“ statt, wo wir diskutieren, wie die Digitalisierung konkret zur Leistungsfähigkeit, Effizienz und Zukunftssicherheit des ÖPNV beitragen kann. Bei „Fokus Fahrgast“ geht es am 28./29. April in Köln um Standards und Tools für eine einheitliche Fahrgastinformation. Ein jährliches Branchenhighlight ist der „Fachkongress Eisenbahnbetriebsleiter*in“, der dieses Jahr am 25./26. Juni in Leipzig stattfindet. Das sind nur fünf von 130 Veranstaltungen, die wir in diesem Jahr anbieten.

Welche Jubiläumsaktionen gibt es?

» Vanessa Balck: Es gibt monatlich wechselnd eine digitale Lerneinheit sowie ein Webinar. Für Mitglieder der VDV-Akademie bieten wir starke Rabatte und kostenfreie Teilnahmen.

Stefanie Menke (l.) und Vanessa Balck (r.) berichten im Gespräch mit VDV-Magazin-Redakteur Stefan Temme aus ihren Geschäftsbereichen Digitales und Veranstaltungsorganisation.

Was bedeutet es für die Bildungsarbeit, dass die Branche mit Blick auf den demografischen Wandel perspektivisch verstärkt Arbeitskräfte aus dem Ausland akquirieren muss?

» Harald Kraus: Das bringt nicht nur fachliche und kulturelle Themen mit sich, die wir vermitteln müssen, sondern vor allem auch die Sprache. Das ­Goethe-Institut kann nicht eins zu eins die Fachbegriffe und Themen unserer Branche übersetzen. Wir stehen also vor der großen Herausforderung, in den Unternehmen Angebote vor Ort zu schaffen, um die Beschäftigten aus dem Ausland weiterzuqualifizieren.

» Britta Robels: Zum Thema Sprache haben wir ein neues Konzept für Inhouse- sowie für übergreifende Sprachschulungen entwickelt. Über ein Jahr lang hat eine Taskforce Verkehrsunternehmen und ihre Leitstellen besucht, um Unterlagen für branchenspezifische Sprachschulungen zu entwickeln. (siehe auch Beitrag ab Seite 20)

Wie geht es weiter in der beruflichen Bildung – etwa mit Blick auf Berufsbilder der Zukunft?

» Britta Robels: Um die Berufsausbildung und weiterführende Fortbildungsstufen konsequenter zu verzahnen, gestalten wir zusammen mit dem VDV verstärkt branchenspezifische Ausbildungsberufe mit – beispielsweise bei der Modernisierung der Berufsausbildung „Kaufleute für Verkehrsservice und Mobilität“, ehemals „Kaufleute für Verkehrsservice“. Diese wird nach vielen Jahren der Neuordnung ab Herbst 2026 mit der neuen Verordnung in den Verkehrsunternehmen starten. Ebenfalls ist geplant, die „Fachkraft im Fahrbetrieb“ zu modernisieren. Dass der VDV und die VDV-Akademie derzeit verstärkt in die Berufsausbildung investieren, ist für uns eine gute Grundlage, weitere Berufsbilder zu entwickeln. Aktuell wird der „Geprüfte Berufsspezialist für Elektronik Mobilität – Kraftomnibusse (IHK)“ verstetigt und in der Branche implementiert. Hier erwarten wir eine langfristige Verankerung der Fortbildung.

Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Fachkräftemangel und steigende Anforderungen an Sicherheit und Qualität sind ein Dauerthema. Berufliche Fortbildung müsste also künftig noch wichtiger werden…

» Harald Kraus: Genau, allein schon aufgrund der Fluktuation und der sich verändernden Struktur unserer Beschäftigten. Gerade für Jüngere sind die Fragen wichtig „Was bietet mir mein Arbeitgeber an Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten?“ und „Wie kann ich meine Persönlichkeit weiterentwickeln?“ Hinzu kommt, dass die Zyklen, in denen man sich qualifizieren muss, um einfach nur einen Standard zu halten, deutlich kürzer geworden sind. Während man früher für ein ganzes Leben gelernt hat, lernt man heute für ein halbes Jahr. Die Digitalisierung führt dazu, dass das reine Wissen über Daten und Fakten teilweise entwertet wird. Dieses Wissen wird zunehmend durch künstliche Intelligenz abrufbar.

Was die VDV-Akademie im Jubiläumsjahr und darüber hinaus plant, erläutern Britta Robels, Vanessa Balck, Stefanie Menke und Harald Kraus (v. oben im Uhrzeigersinn).

Mit „We-Transform-ÖPNV“ liegt ein neuer Schwerpunkt auf Transformation im ÖPNV. Was hat es damit auf sich?

» Stefanie Menke: In diesem Projekt entwickeln wir derzeit praxisnah und gemeinsam mit den Sozialpartnern ein Qualifizierungskonzept, mit dem ÖPNV-Unternehmen die Transformation erfolgreich umsetzen können – strukturell und kulturell. Wir befähigen Beschäftigte, Betriebsräte und Führungskräfte, Veränderungsprozesse aktiv zu gestalten, statt sie nur zu begleiten. Ab Herbst starten wir mit der Umsetzung und Erprobung dieses Konzepts, das ab 2028 für alle Verkehrsunternehmen geöffnet wird. Zusätzlich haben wir die „Triale Weiterbildungs-Mentoring-Offensive“ gestartet, mit der wir gezielt Fahrpersonale und Werkstattmitarbeitende für Bildungsthemen begeistern wollen.

» Harald Kraus: Als Branche mit einer starken Mitbestimmung ist für uns das Thema Sozialpartnerschaft sehr wichtig. Wir wissen, dass wir nur dann erfolgreich sind, wenn die Beschäftigten am Transformationsprozess aktiv beteiligt werden.

Wo steht die VDV-Akademie in fünf Jahren?

» Harald Kraus: Die VDV-Akademie ist nur deshalb so erfolgreich, weil wir tolle engagierte Menschen haben, die für diese Sache brennen und das immer wieder rüberbringen. Dafür danken wir als Vorstand allen Beschäftigten von VDV und VDV-Akademie! In fünf Jahren wird die VDV-Akademie weiterhin jung, bunt und weiblich sein. Sie wird unter Beweis gestellt haben, dass digitale Kompetenzvermittlung und die Nutzung von KI im Sinne der Menschen nicht nur ein Thema der großen Tech-Konzerne ist, sondern dass wir das auch für uns als Branche entwickeln können. Die VDV-Akademie wird zeigen, dass sie den Spagat beherrscht, wirtschaftlich gut aufgestellt und ein Leuchtturm für unsere Branche zu sein.

Meilensteine der VDV-Akademie

2001

Gründung der VDV-Akademie mit zehn Gründungsunternehmen

2005

VDV-Personalkongress in Berlin

2006

Projekt „Innova – Innovationsstrategien für Verkehrsunternehmen mit alternden Belegschaften“

2010

VDV-Elektrobuskonferenz, heute „mobility move“

2017

Das digitale Lernnetz, heute „DiVA“, geht online.

2020

InnoVET-Projekt UpTrain: Triales Weiterbildungsmodell für die Verkehrsbranche

2025

Die VDV-Akademie begrüßt ihr 100. Mitglied.

2026

25 Jahre VDV-Akademie
Partnerschaft mit der Uni St.Gallen

Link:

Anlässlich ihres Jubiläums präsentiert sich die VDV-Akademie mit einem neuen Internetauftritt:

http://www.vdv-akademie.de

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