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Weltkatzentag 8. August 2026

Wakayama Electric Railway: Wie die Katze Tama eine Regionalbahn rettete und weltberühmt machte

Eine Katze als Bahnhofsvorsteherin, Züge im Erdbeer- und Katzendesign und ein Bahnhof, dessen Fassade an ein Katzengesicht erinnert: Die Wakayama Electric Railway hat aus der 14,3 Kilometer langen Kishigawa-Linie eine international bekannte Regionalbahn gemacht. Die Geschichte wird häufig als Rettung einer japanischen Regionalbahn durch die Katze Tama erzählt. Tatsächlich begann die Rettung jedoch schon vor Tamas Amtsantritt. Mit Bürgerengagement, kommunaler politischer Unterstützung und einem neuen Betreiber.

Eine Katze als Bahnhofsvorsteherin, Züge im Erdbeer- und Katzendesign und ein Bahnhof, dessen Fassade an ein Katzengesicht erinnert: Die Wakayama Electric Railway hat aus der 14,3 Kilometer langen Kishigawa-Linie eine international bekannte Regionalbahn gemacht. Die Geschichte wird häufig als Rettung einer japanischen Regionalbahn durch die Katze Tama erzählt. Tatsächlich begann die Rettung jedoch schon vor Tamas Amtsantritt. Mit Bürgerengagement, kommunaler politischer Unterstützung und einem neuen Betreiber.

Die Kishigawa-Linie verbindet den Bahnhof Wakayama mit dem Bahnhof Kishi in der benachbarten Stadt Kinokawa. Auf ihrer 14,3 Kilometer langen Strecke bedient sie 14 Stationen. Sie bedient dabei städtische Vororte, Dörfer und auch Bauernhöfe.

Im Jahr 2004 kündigte die damalige Betreiberin Nankai Electric Railway ihren Rückzug an. Sinkende Fahrgastzahlen und hohe Verluste stellten die Zukunft der Strecke infrage. Die Präfektur Wakayama, die Stadt Wakayama und die damalige Gemeinde Kishigawa entschieden sich jedoch gegen eine Stilllegung. Sie sicherten die Infrastruktur, stellten finanzielle Unterstützung bereit und suchten nach einem neuen Betreiber.

Ländlicher Raum: Reisfeld bei Wakayama.

Den Zuschlag erhielt Okayama Electric Railway. Das Unternehmen gründete die Wakayama Electric Railway, die den Betrieb am 1. April 2006 übernahm. Parallel engagierten sich Schulen, die lokale Wirtschaft, die Verwaltungen und die Bürgerinitiative „Kishigawa Line Future Group“ für die Strecke. Rund 6.400 Mitglieder unterstützten die Kampagne zeitweise mit eigenen Mitteln und dem Aufruf, die Bahn durch tatsächliche Nutzung zu erhalten.

Die ersten Ergebnisse zeigten sich noch vor Tama: Im Geschäftsjahr 2006 nutzten rund 2,114 Millionen Fahrgäste die Strecke, etwa 190.000 mehr als im Jahr vor dem Betreiberwechsel. Eine wissenschaftliche Untersuchung bezifferte den jährlichen gesellschaftlichen Nutzen des Bahnerhalts gegenüber einer Umstellung auf Busverkehr auf rund 1,48 Milliarden Yen. Berücksichtigt wurden unter anderem vermiedene Verkehrsbelastungen, Unfälle und zusätzliche Mobilitätskosten.

Warum wurde eine Katze Bahnhofsvorsteherin?

Nach der Übernahme wurden die meisten Stationen nicht mehr mit Personal besetzt. Am Endbahnhof Kishi lebte jedoch die dreifarbige Katze Tama, die von Menschen aus der Nachbarschaft versorgt wurde und vielen Fahrgästen bereits bekannt war.

Dienstbesprechung: Die Katzen Nitama (l.) und Tama (r.) – natürlich in standesgemäßer Uniform.

Am 5. Januar 2007 ernannte die Bahngesellschaft Tama offiziell zur Bahnhofsvorsteherin. Sie erhielt eine eigens angefertigte Dienstmütze und ein ehemaliges Fahrkartenschalterhäuschen als Büro. Was zunächst wie eine kleine lokale Werbeaktion wirkte, entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einer überregionalen Medienphänomen

Die Ernennung funktionierte, weil Tama kein beliebig austauschbares Werbemotiv war. Die Katze gehörte bereits zum Bahnhof und wurde von der Bevölkerung akzeptiert. Erst die Verbindung aus realem Ort, lokaler Geschichte und augenzwinkernder Inszenierung machte die Idee glaubwürdig. Echte Authentizität statt aufgesetzter Kampagne.

Wie rettete Tama die Kishigawa-Linie?

Tama hat die Kishigawa-Linie nicht im Alleingang vor der Stilllegung bewahrt. Sie wurde vielmehr zum emotionalen Marketingmitel eines bereits begonnenen Sanierungs- und Entwicklungsprogramms.

Ihre Wirkung lässt sich auf vier Punkte verdichten:

1. Tama gab der Bahn ein unverwechselbares Gesicht. Aus einer kaum bekannten Nebenbahn wurde die Bahn mit der Katzen-Bahnhofsvorsteherin.

2. Die Fahrt wurde selbst zum Reiseziel. Besucher kamen nicht nur nach Kishi, sondern kauften für den Weg dorthin eine Fahrkarte.

3. Die Aufmerksamkeit erzeugte regionale Wertschöpfung. Fahrkarten, Souvenirs, Gastronomie und Ausflüge entlang der Strecke profitierten von den zusätzlichen Gästen.

4. Das Motiv ließ sich über Jahre weitererzählen. Züge, Bahnhofsgestaltung, Veranstaltungen und Nachfolgerinnen im Amt hielten die Marke lebendig.

Ein Wirtschaftswissenschaftler der Kansai-Universität schätzte den durch Tama ausgelösten wirtschaftlichen Effekt für das Jahr 2007 auf rund 1,1 Milliarden Yen.

Social Media verlängert die Markenwirkung

Die internationale Aufmerksamkeit entstand zunächst durch klassische Medienberichte. Später verlängerten soziale Netzwerke die Geschichte weit über Japan hinaus. Die Bilder funktionieren ohne umfangreiche Erklärung. Ein Zug mit Katzenohren, ein Bahnhof in Form eines Katzengesichts und eine Katze mit Dienstmütze sind in wenigen Sekunden verständlich. Genau diese visuelle Klarheit macht die Strecke für soziale Netzwerke attraktiv.

Der Erfolg ist dennoch mehr als ein kurzfristiger viraler Effekt. Die Wakayama Electric Railway hat über zwei Jahrzehnte ein zusammenhängendes System aus Fahrzeugdesign, Bahnhof, Figuren, Veranstaltungen und Produkten aufgebaut. Social Media verstärkt diese Marke, aber es ersetzt sie nicht.

Themenzüge in Japan: Aus Mobilität wird ein Erlebnis

Bereits im August 2006 nahm der „Ichigo Densha“ seinen Betrieb auf. Der Erdbeerzug verweist auf den Erdbeeranbau entlang der Strecke. 2007 folgte der Spielzeugzug „Omocha Densha“, 2009 der erste „Tama Densha“. Alle Fahrzeuge gestaltete der japanische Designer Eiji Mitooka.

Die Gestaltung beschränkt sich nicht auf eine Beklebung der Außenflächen. Holz, Vitrinen, Bücherregale, besondere Sitzmöbel und regionale Motive prägen auch die Innenräume. Damit wird das Fahrzeug selbst zu einem Teil des touristischen Angebots.

Der frühere Spielzeugzug wurde 2021 außer Betrieb genommen und anschließend vollständig zum „Tama Densha Museum“ umgebaut. Heute nennt die Bahngesellschaft unter anderem den Erdbeerzug, den Tama-Zug, den von Pflaumen inspirierten „Umeboshi Densha“ und den rollenden Tama-Museumszug als zentrale Themenfahrzeuge.

Auch der Endbahnhof wurde Teil des Konzepts. Das 2010 eröffnete Empfangsgebäude von Kishi erinnert mit seinem Dach und den beiden seitlichen Öffnungen an ein Katzengesicht. Im Gebäude befinden sich ein Café und ein Geschäft. Der Bahnhof ist damit nicht mehr nur Zugangspunkt zur Bahn, sondern Aufenthaltsort und touristisches Ziel.

Die Nachfolge gehört zur Markenführung

Tama starb im Juni 2015. Nach Angaben der Bahngesellschaft kamen rund 3.000 Menschen zu ihrer Trauerfeier. Auf dem Bahnsteig von Kishi erinnert seitdem ein kleiner Schrein an die erste Bahnhofsvorsteherin.

Ihre Nachfolge übernahm Nitama, die zuvor am Bahnhof Idakiso eingesetzt worden war. Nitama starb am 20. November 2025 im Alter von 15 Jahren. Im Januar 2026 rückte Yontama zur Bahnhofsvorsteherin von Kishi auf. Gotama arbeitet ebenfalls als Bahnhofsvorsteherin, Rokutama befindet sich noch in der Ausbildung.

Diese “geregelte Nachfolge” verhindert, dass die Geschichte mit einer einzelnen Katze endet.

Anwärterschaft: In Wakayama sorgt man rechtzeitig für personellen Nachwuchs.

Was können Verkehrsunternehmen von Tama lernen?

Die Geschichte liefert kein einfach übertragbares Rezept. Nicht jede Regionalbahn braucht ein Maskottchen, und Marketing kann weder eine verschlissene Infrastruktur noch eine unzureichende Finanzierung ausgleichen. Für das Tourismusmarketing für Regionalbahnen lassen sich dennoch fünf Erkenntnisse ableiten:

Zuerst muss das Verkehrsangebot gesichert sein. In Wakayama schufen öffentliche Hand, Betreiber und Bürgerschaft die strukturellen Voraussetzungen.

Lokale Besonderheiten sind stärker als austauschbare Kampagnen. Tama, Erdbeeren und Pflaumen stehen in unmittelbarer Verbindung zur Strecke und ihrer Region.

Die Inszenierung muss im Produkt erlebbar sein. Fahrzeuge, Station, Gastronomie und Souvenirs erzählen dieselbe Geschichte.

Einmalige Aufmerksamkeit reicht nicht. Neue Fahrzeuge, Veranstaltungen und die geregelte Nachfolge der Bahnhofskatzen entwickeln die Marke weiter.

Tourismus ergänzt den Alltagsverkehr. Die Bahn bleibt Infrastruktur für die Region und gewinnt zugleich zusätzliche Fahrgäste, die gezielt wegen des Erlebnisses anreisen.

Gerade beim Thema Öffentlicher Verkehr im ländlichen Raum ist diese Verbindung entscheidend. Ausflugsverkehr, regionale Produkte und eine erkennbare Identität können zusätzliche Nachfrage schaffen. Sie ersetzen jedoch keine verlässliche öffentliche Verantwortung für Infrastruktur und Daseinsvorsorge.

Die strukturelle Arbeit ist in Wakayama noch nicht abgeschlossen. Für 2028 ist der Übergang zu einer vollständigen Trennung von Infrastruktur und Betrieb vorgesehen: Die öffentliche Hand soll die Anlagen übernehmen, während die Wakayama Electric Railway weiterhin den Verkehr organisiert. Auch zwei Jahrzehnte nach Tama gilt daher: Die Katzen schaffen als Markenzeichen Aufmerksamkeit, die Zukunft der Bahn sichern Betreiber, Politik und Region gemeinsam.

(mo)

Sympathieträger: Der Katzenzug Tamaden in Idakiso.

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