Verband & Branche
9 Min
7. Juni 2026

Klarheit und Wahrheit beim Treibhausgas

Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, Auswirkungen ihrer Arbeit auf das Klima und die Umwelt transparent zu machen und systematisch zu steuern. Hintergrund sind nicht nur regulatorische Anforderungen, sondern auch Erwartungen des Kapitalmarkts, der Auftraggeber und der Öffentlichkeit. Daher stellen Verkehrsunternehmen ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung und Datengrundlagen neu auf – wie auch die VAG Nürnberg, die erstmalig ihre Emissionen von Treibhausgas­en (THG) für das Jahr 2024 bilanziert hat.

Es war eine Premiere und wichtige Grund­lagenarbeit: Die VAG Nürnberg hat ihre erste Treibhausgasbilanz erstellt. Damit schafft das Verkehrsunternehmen eine fundierte Datenbasis für strategische Entscheidungen, für die interne Steuerung sowie für bestehende und zukünftige Berichtspflichten auf nationaler und europäischer Ebene. „Auf Basis der ersten THG-Bilanz entsteht ein Berichtssystem, das die interne Steuerung unterstützt und zugleich anderen Verkehrsunternehmen als Orientierung dienen kann“, sagt VAG-Vorstandssprecher Tim Dahlmann-Resing, der auch VDV-Vizepräsident ist.

„Unabhängig von konkreten Berichtspflichten zeigt sich: Nachhaltigkeitsinformationen gewinnen für Unternehmen deutlich an Bedeutung“, erklärt Britta Mas, beim VDV zuständig für Nachhaltigkeit: „Gefragt sind belastbare, vergleichbare und prüffähige Daten – sowohl zu den Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft als auch zu unternehmerischen Risiken und Chancen.“

Tim Dahlmann-Resing sagt: „Die Ergebnisse unserer ersten Treibhausgasbilanz sind ein wesentlicher Baustein für ein strukturiertes sowie prüffähiges Nachhaltigkeitsmanagement.“ Ziel war es, nicht einzelne Kennzahlen in den Vordergrund zu stellen, sondern die Struktur der Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette transparent aufzuzeigen (siehe Infografik), Bilanzierungslogiken zu standardisieren und die jährliche Fortschreibung zu ermöglichen.

VAG Nürnberg: THG-Bilanz zeigt klare Emissionsstruktur

Die direkten Emissionen (Scope 1) machen 15 Prozent aus – im Wesentlichen durch Dieselbusse. Durch 100 Prozent Ökostrom ergeben sich marktbasiert keine indirekten Emissionen aus gekaufter Energie (Scope 2). Die überwiegenden Emissionen und ein wirksamer Klimahebel liegen auf Scope 3 – vor- und nachgelagerte Aktivitäten.
Quelle: VAG Nürnberg

Mit den Ergebnissen ihrer THG-Bilanz sieht sich die VAG Nürnberg darin bestätigt, dass ihre Maßnahmen zum Klimaschutz wirken. Das Unternehmen setzt beispielsweise zu 100 Prozent auf Ökostrom. Zudem gibt es zahlreiche Effizienzsteigerungen im Betrieb wie die Rückspeisung von Bremsenergie bei den Schienenfahrzeugen, energieoptimierte Betriebszustände der automatischen U-Bahnen sowie ein kontinuierlich weiterentwickeltes Energiemanagementsystem, das bereits seit zehn Jahren zertifiziert ist.

Anhand von Mess-, Abrechnungs- und Beschaffungsdaten wurden alle Emissionen aus Betrieb und Infrastruktur (Scopes 1 und 2) erfasst. Zudem wurden Scope-3-Kategorien bilanziert wie eingekaufte Güter und Dienstleistungen, darunter auch fremd erbrachte Verkehrsleistungen. Die THG-Bilanz für 2024 zeigt eine klare Emissionsstruktur. Zu 85 Prozent entfällt der Hauptanteil der Treibhausgasemissionen auf die vor- und nachgelagerten Aktivitäten (Scope 3). Dazu zählen auch Bauleistungen, Betriebsmittel und die Vorketten eingesetzter Energien. „Diese Struktur ist typisch für ­ÖPNV-Unternehmen, bei denen die Elektrifizierung bereits fortgeschritten ist“, erklärt Tim Dahlmann-Resing: „Für Unternehmen, die unter die Berichtspflichten der CSRD fallen, gewinnen diese indirekten Emissionen weiter an Bedeutung, da sie systematisch erfasst und offengelegt werden müssen.“ Aber auch für nicht berichtspflichtige Unternehmen liefere die Transparenz über Scope-3-Emissionen eine wichtige Grundlage, um Klimaschutzmaßnahmen gezielt zu steuern, Risiken besser zu verstehen und Anforderungen von Auftraggebern oder Finanzierungspartnern zu erfüllen.

Mit dem grünen Strom aus den PV-Anlagen am E-Bus-Port in Schweinau kann die VAG direkt ihre Fahrzeuge laden.

Die direkten Emissionen (Scope 1), die im Wesentlichen aus dem Busbetrieb stammen, machen rund 15 Prozent der Gesamtemissionen aus. Da die VAG Nürnberg seit 2020 keine Dieselbusse mehr beschafft und die vollständige Elektrifizierung der Flotte in den früheren 2030er-Jahren abgeschlossen sein soll, zeichnet sich für diesen Bereich ein klarer Dekarbonisierungspfad ab. Durch den Einsatz von 100 Prozent Ökostrom entstehen marktbasiert keine Emissionen aus gekaufter Energie – Scope 2 wird entsprechend mit null ausgewiesen. Darüber hinaus investiert die VAG in die eigene Erzeugung erneuerbarer Energien über Photovoltaikanlagen auf den Dächern ihrer Betriebshöfe und des E-Bus-Ports.

Die VAG Nürnberg will ihre THG-Bilanz nun jährlich fortschreiben und vor allem im Bereich Scope 3 weiter vertiefen. Parallel baut das Verkehrsunternehmen ein Nachhaltigkeitsberichtssystem auf, das sich an den Anforderungen der CSRD orientiert. VAG-Vorstandssprecher Tim Dahlmann-Resing: „Ergänzend entwickeln wir ein langfristiges Klimaziel sowie einen konsistenten Reduktionspfad, die wir in die Unternehmenssteuerung integrieren.“

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Die Ergebnisse unserer ersten THG-Bilanz sind ein wesentlicher Baustein für ein strukturiertes sowie prüffähiges Nachhaltigkeitsmanagement.


Tim Dahlmann-Resing

Sprecher des Vorstands der VAG Nürnberg und VDV-Vizepäsident

Nachhaltigkeitsinformationen gewinnen für Unternehmen deutlich an Bedeutung. Gefragt sind belastbare, vergleichbare und prüffähige Daten.


Britta Mas

VDV-Fachbereichsleiterin Nachhaltigkeit

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