Wenn sie an ihren Einsatzorten ankommen, haben die TramTrains schon eine lange Reise hinter sich. Hergestellt werden sie in Valencia, der Industriestadt an der spanischen Mittelmeerküste. Dort baut der Schweizer Hersteller Stadler alle Fahrzeuge, die die sechs Unternehmen geordert haben: die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), die Saarbahn, die Schiene Oberösterreich (Schiene OÖ GmbH), die Schiene Salzburg GmbH und die Regional-Stadtbahn Neckar-Alb. Für Letztere und die AVG fungiert das Land Baden-Württemberg mit seiner Landesanstalt Schienenfahrzeuge als Mitglied des Konsortiums. Im Rahmen des Projekts war die Saarbahn der erste Betreiber, der die Fahrzeuge erhalten hat. 28 TramTrains mit einer Option auf weitere 21 wurden bestellt. Für die AVG wurden 75, für die VBK 73 Bahnen geordert. Beide Karlsruher Unternehmen halten Optionen von zusammen 125 weiteren Fahrzeugen.
Bis zu 1 Million Euro pro Bahn lassen sich durch die gemeinsame Beschaffung sparen.
VDV-TramTrain in der AVG-Ausführung: Die ersten Fahrzeuge sollen im Sommer in den Liniendienst gehen und die Erfolgsgeschichte des „Karlsruher Modells“ fortschreiben.
Ähnlich wie in Saarbrücken soll auch in Karlsruhe voraussichtlich ab Mitte dieses Jahres der erste „VDV-TramTrain“ seinen Betrieb aufnehmen und damit den Generationswechsel einläuten. „Die neuen TramTrains entwickeln das ,Karlsruher Modell‘ konsequent weiter. Sie stärken die nahtlose Verbindung von Stadt und Region und betonen unseren Anspruch, auch künftig Maßstäbe im SPNV zu setzen“, sagt Christian Höglmeier, technischer Geschäftsführer der AVG. Die neue Baureihe ersetzt zum Teil Fahrzeuge, die schon seit der Streckeneröffnung nach Bretten und damit seit dem Start des „Karlsruher Modells“ im Jahr 1992 im Einsatz sind. Ohne nennenswerte Vorkommnisse hat die neue Bahn ihre Bremsversuche und ihre ersten Fahrten durch den Stadtbahntunnel sowie den Systemwechsel zwischen Gleichspannung im Tramnetz und Wechselspannung bei der „großen“ Eisenbahn absolviert. Derzeit wird das Fahrzeug hardware- und softwaretechnisch angepasst. Parallel dazu werden weitere Systeme des Fahrzeugs wie das Fahrgastinformationssystem oder die Toilettenanlage in Betrieb genommen.
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Die neuen TramTrains entwickeln das ,Karlsruher Modell‘ konsequent weiter. Sie stärken die nahtlose Verbindung von Stadt und Region und betonen unseren Anspruch, auch künftig Maßstäbe im SPNV zu setzen.
Christian Höglmeier
technischer Geschäftsführer der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft
Auf dem Tieflader ging es zum Hafen
Der Weg aus der Fabrik zu den Verkehrsunternehmen ist weit und benötigt eine hochqualifizierte Logistikkette. Kürzlich wurde der erste dreiteilige Zug für Oberösterreich auf die Reise geschickt. Dieser Transportweg ist der längste in dem spektakulären Projekt, dessen Gesamtprojektleitung auf Betreiberseite bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe liegt. Im Werk wurde der TramTrain behutsam auf einen Tieflader verpackt. Auf der Straße ging es dann auf einer mehr als 600 Kilometer langen Fahrt nordwärts nach Bilbao, dem Atlantikhafen im Golf von Biskaya. Dort wurde der Tieflader mitsamt seiner Fracht auf ein Ro-Ro-Fährschiff verladen, das dann Kurs auf Antwerpen nahm. „Wo immer es geht, versuchen wir, den Straßentransport von Schienenfahrzeugen zu vermeiden“, sagt Ansgar Brockmeyer, Marketingchef und stellvertretender CEO der Stadler-Gruppe. Die TramTrains des VDV-Projekts sind für die klassischen Schienen Mitteleuropas, also mit 1.435 mm Spurweite, ausgelegt. Vor dem Werkstor liegt jedoch die iberische Breitspur. Im Hafen von Antwerpen begann für den Zug sein Schienenleben. Auf eigenen Rädern rollte er südwärts Richtung Österreich. Noch nicht mit eigener Kraft, sondern gekuppelt an eine Lokomotive und gesichert durch einen Bremswaggon. In der Nähe der Stadt Wels rückte das Ziel näher. Eine allerletzte Etappe auf der Schiene führte dann in das Städtchen Eferding, dem Standort des Betriebswerks der Linzer Lokalbahn. Dort wird der TramTrain in den nächsten Monaten in den Betriebsalltag im Vorlauf für die im Aufbau befindliche Regional-S-Bahn von Linz starten – eine echte TramTrain-Aufgabe mit Straßenbahn-Teilstrecken in der oberösterreichischen Metropole und klassischen Eisenbahntrassen im Umland.