Sie sollen Konflikte frühzeitig entschärfen und Gewalttaten verhindern. Und wenn das nicht gelingt, sollen sie wenigstens der Beweissicherung dienen: Mit Bodycams will die Deutsche Bahn nun auch im Fernverkehr die Sicherheit von Mitarbeitenden und Fahrgästen erhöhen – nur eins von zahlreichen aktuellen Beispielen, wie die Verkehrsunternehmen derzeit in Technik und in Schulungen investieren. Hinzu kommen Kampagnen für mehr Respekt und Anstand („VDV Das Magazin“ berichtete) und demnächst das Alkoholverbot in den Bahnhöfen. Die Einführung von Bodycams im Fernverkehr ist Teil des „Aktionsplans für mehr Sicherheit auf der Schiene“, den die DB mit Bund, Ländern, Gewerkschaften und Unternehmen der Verkehrsbranche beschlossen hat.
Schon jetzt sorgen Videokameras in Bussen, Bahnen und an Stationen dafür, dass der ÖPNV zu den am besten überwachten Bereichen im öffentlichen Raum zählt. „Der öffentliche Verkehr ist kein Schwerpunkt von Kriminalität“, sagt Rainer Cohrs, Vorsitzender des VDV-Unterausschusses Security und Leiter der Konzernsecurity bei den Stadtwerken München. Selbst in Großstädten entfallen weniger als zehn Prozent aller relevanten Straftaten – insbesondere Raub, Körperverletzungen, Diebstähle und Sexualdelikte – auf den öffentlichen Verkehr, so das VDV-Positionspapier „Sicherheit (Security) im öffentlichen Personenverkehr“ von Februar 2025, das derzeit aktualisiert und für seine zweite Auflage erweitert wird. Hintergrund ist die gute Überwachung durch Kameras, aber auch, weil in Bussen und Bahnen generell Fahr- und Service- und oft Sicherheitspersonal an Bord ist.
Der objektiven Sicherheitslage steht jedoch ein deutlich schlechteres subjektives Sicherheitsempfinden vieler Fahrgäste gegenüber. In der Befragungsstudie „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“, eine Kooperation von Bundeskriminalamt und den Polizeien der Länder, gab die überwiegende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger an, sich tagsüber sicher zu fühlen. Nachts war das Sicherheitsgefühl jedoch deutlich geringer. An Bahnhöfen fühlen sich 27 Prozent sicher. Im ÖPNV reduzierte sich der Anteil der Menschen, die sich sicher fühlen, von tagsüber 87 auf nachts 45 Prozent um etwa die Hälfte. Nur jede dritte Frau und sechs von zehn Männern fühlen sich nachts im ÖPNV sicher. „Häufig sind es die Wege von und zu den Stationen, bei denen ein Unsicherheitsgefühl bleibt – vor allem bei Frauen“, berichtet Rainer Cohrs aus eigener Berufspraxis: „Schlechte Beleuchtung und unübersichtliche Umgebungen tragen ebenfalls dazu bei.“ Hilfreich wäre es, die Aufwertung von Haltestellen und ihres Umfelds zu fördern. Menschen mit sozialen Problemen sollen geeignete Aufenthaltsorte bekommen und Straftaten im öffentlichen Verkehr konsequent verfolgt werden – einschließlich Schwarzfahren.
Dagegen gehört für die Beschäftigten bei Bus und Bahn Gewalt, meist verbal, mittlerweile fast zum Alltag. Der tödliche Angriff auf den Zugbegleiter Serkan C. im Februar – Anfang Juli wurde der Täter zu zehn Jahren Haft verurteilt – hat deutschlandweit eine Debatte über die Sicherheit in Zügen ausgelöst und das Thema verstärkt in die Medien gebracht. Dabei steigt die Zahl von Übergriffen auf Beschäftigte im Bahnverkehr bereits seit Jahren. Jeder dritte Beschäftigte denkt deshalb darüber nach, den Beruf zu wechseln. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die persönliche Sicherheit ist im ÖPNV ein entscheidendes Versprechen für die Fahrgäste und für die Mitarbeitenden der Verkehrsunternehmen. Darum geht es auch bei der 2. ÖPNV-Sicherheitskonferenz am 5. und 6. Oktober 2026 in Berlin. Thematisiert werden die aktuelle Lage und neue Erkenntnisse aus den vergangenen Monaten. Dabei tauschen sich Fachleute unterschiedlicher Richtungen über Herausforderungen und Lösungsansätze aus. Wie die kritische Infrastruktur gegen jede Form von Angriffen geschützt werden kann, wird ein weiterer Themenschwerpunkt der Sicherheitskonferenz.