Verband & Branche
9 Min
31. August 2026

„Weiterbildung für alle“ lautet das Ziel

Wie können Weiterbildungsangebote attraktiver gemacht werden? Und wie werden Mitarbeitende gewonnen, die einen schwereren Zugang zu solchen Angeboten haben? Damit beschäftigt sich ein gemeinsames Projekt von ver.di und der VDV-Akademie – die „Triale WBM-Offensive“. Der offizielle Auftakt findet am 22. September in Halle (Saale) statt.

Nachdem die Teilnahmequote an Weiterbildungen zwischen 2016 und 2020 stark anstieg, war sie zuletzt wieder leicht rückläufig. Zu diesem Ergebnis kommt der Adult Education Survey (AES) – eine Studie, mit der das Weiterbildungsverhalten in der Bevölkerung erhoben wird. Im Jahr 2022, aus dem die derzeit aktuellsten veröffentlichten Daten stammen, lag die Quote bundesweit und branchenübergreifend bei 58 Prozent. Deutschland will diese Quote im Rahmen einer EU-Strategie bis 2030 auf 65 Prozent steigern.

Triale WBM-Offensive

Das Projekt „Triale WBM-Offensive“ wird gefördert als Projekt zur Qualifizierung und Etablierung von Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (WBM) vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und wissenschaftlich-administrativ begleitet vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Das Projekt läuft bis November 2028.

Weitere Infos und Anmeldungen für die Auftaktveranstaltung:

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In der Verkehrsbranche soll der Zugang zu Qualifizierungsangeboten künftig transparenter und gleichzeitig einfacher werden – vor allem für Mitarbeitende im Fahrdienst und in den Werkstätten. Dieses Ziel verfolgt die „Triale WBM-Offensive“. Denn diese Berufsgruppen erleben einen erschwerten Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten, beispielsweise wegen Schichtdiensten, dezentraler Einsatzorte, fehlenden Zugriffs auf digitale Endgeräte und aus individuellen Gründen. Abhilfe schaffen sollen sogenannte Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (WBM). „Sie sprechen Mitarbeitende auf Augenhöhe direkt an, informieren sie über die Zugänge zu Weiterbildung und begleiten sie dabei“, erklärt Projektleiterin Dr. Katja Kirsten von der VDV-Akademie. Das Konzept ruht auf drei Säulen. Zunächst werden in den Betrieben Kolleginnen und Kollegen benannt, die als Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren, das heißt als Ansprechpersonen für Weiterbildung, in ihren Teams tätig werden. Sie werden im Rahmen des Projekts geschult und erhalten Wissen zu Themen wie Beratung und Weiterbildungswege. Als zweite Säule werden Karrierewege und Weiterbildungsmöglichkeiten auf einer Landkarte visualisiert. So sollen die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung transparenter werden. Die dritte Säule komplettiert den trialen Ansatz: Die Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren bilden ein Netzwerk, das sich digital und in Präsenz treffen wird. „Auf diese Weise wollen wir erreichen, dass sich Mitarbeitende aus bestimmten Berufsgruppen langfristig stärker an Weiterbildungen beteiligen“, erläutert Katja Kirsten: „Außerdem wollen wir eine lebendige Lernkultur in der ÖPNV-Branche fördern.“

Angebote sichtbarer machen

„Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren werden nicht nur geschult, sondern in ihrer Rolle begleitet und unternehmensübergreifend miteinander vernetzt“, betonen Luca Seufert und Tina Hofmann, die das Projekt bei ver.di betreuen: „So entsteht Schritt für Schritt eine Praxis, die Weiterbildung im ÖPNV sichtbarer und zugänglicher macht.“ Erste Erfahrungen mit einem vergleichbaren Ansatz hat die Hallesche Verkehrs-AG mit dem von ver.di entwickelten Vorgängerprojekt „mendi.net“ gesammelt. Hierauf bauen die VDV-Akademie und die Gewerkschaft mit ihrer gemeinsamen trialen WBM-Offensive auf. Da die Beschäftigten der gesamten Verkehrsbranche in den Transformationsprozess aktiv eingebunden werden, steht bei dem Projekt der sozialpartnerschaftliche Ansatz im Mittelpunkt: Vertreterinnen und Vertreter von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bilden sogenannte WBM-Tandems, die ihre Kolleginnen und Kollegen gemeinsam für Weiterbildung motivieren. Dieser sozialpartnerschaftliche Ansatz wird als wichtiger Erfolgsfaktor für das Gelingen des Projekts eingeschätzt. Als Praxispartner beteiligen sich aktuell vier Verkehrsunternehmen, bei denen die Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren qualifiziert und unternehmensübergreifend miteinander vernetzt werden. Im Rahmen des Projekts werden beispielsweise praxisnahe Inhouse-Schulungen erarbeitet und getestet. Betriebliche Weiterbildungswege sollen transparenter gemacht werden. „Wir würden uns freuen, wenn sich während des Projekts weitere Verkehrsunternehmen diesem Netzwerk anschließen“, sagt Katja Kirsten und steht für Interessierte als Ansprechpartnerin zur Verfügung – auch auf der Auftaktveranstaltung, die am 22. September in der Lernwerkstatt der Stadtwerke Halle (Saale) erste Einblicke in die geplanten Qualifizierungs- und Vernetzungsmöglichkeiten vermittelt. Die Teilnahme ist kostenlos und steht allen offen. Anmeldungen sind jedoch erforderlich.

Kontakt und Infos:

akademie_projekte@vdv.de

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Wir wollen erreichen, dass sich Mitarbeitende aus bestimmten Berufsgruppen langfristig stärker an Weiterbildungen beteiligen.


Dr. Katja Kirsten

Projektleiterin Triale WBM-Offensive

Vier Fragen an

Anja Smetanin (Foto rechts) leitet seit Februar den Vertrieb, das Marketing und die Kommunikation der VDV-Akademie. Im Interview mit „VDV Das Magazin“ berichtet sie, wie die VDV-Akademie in die zweite Hälfte ihres Jubiläumsjahres geht.

Generationswechsel, Digitalisierung und Automatisierung: Wie beeinflusst die Transformation der Branche aktuell die Arbeit der VDV-Akademie?

» Im Moment verändern sich Arbeitsweisen und ganze Berufe sehr stark – und damit auch unsere Themen: die Bindung von Mitarbeitenden sowie Führung und Kultur, insbesondere, wenn Teams immer internationaler werden. Darauf reagieren wir mit neuen Weiterbildungsangeboten. Hinzugekommen sind etwa Sprachangebote für den Fahrdienst und Angebote für Mitarbeitende, die in den Unternehmen als Mentoren aktiv werden können. Dabei vernachlässigen wir nicht, was weiterhin stark nachgefragt wird: zum Beispiel in den Bereichen Betrieb und Technik.

Was bedeutet das für die Kommunikation der VDV-Akademie?

» Gerade verändert sich auch, wie die Menschen sich informieren und wie sie angesprochen werden möchten. Auch darauf reagieren wir. Wir haben nicht nur unsere Webseite modernisiert, sondern auch unseren Außenauftritt: klare Zuordnung zur VDV-Familie, frischer Look. Zudem arbeiten wir an einer Strategie, wie wir unser Wissen noch zielgruppenspezifischer sowie unsere Lern- und Vernetzungs­angebote noch klarer darstellen können.

Welche weiteren Highlights stehen im Jubiläumsjahr an?

» Ein Highlight wird auf jeden Fall die Fachkräftekonferenz in Berlin im November: Im Zentrum steht ein erweitertes Verständnis von Personalarbeit. Weitere interessante Seminare und Tagungen drehen sich um den ÖPNV im ländlichen Raum und um Barrierefreiheit im ÖPNV. Im September hat unser Projekt „Triale WBM-Offensive“ offiziell seinen Auftakt, und in Kooperation mit dem Bahn Fachverlag haben wir kürzlich die digitalen Lerneinheiten für Fachkräfte aus dem Eisenbahnbereich neu gestartet. Zudem gibt es weiterhin monatlich eine digitale Lerneinheit mit einem Jubiläumsrabatt von 25 Prozent.

Wie stellt sich die VDV-Akademie darauf ein, dass es in der Branche angesichts der Finanzierungslage eine gewisse Preissensibilität gibt?

» Dessen sind wir uns bewusst. Deswegen bleiben die Preise für viele Bildungsangebote vorerst stabil, auch im Jahr 2027. Bei den Veranstaltungen, insbesondere bei den zwei- und dreitägigen, müssen wir im kommenden Jahr unsere Preise allerdings inflationsbedingt anpassen – auch deshalb, weil wir die gewohnte Qualität unserer Inhalte und Veranstaltungsorte halten wollen. Mitglieder profitieren dabei weiterhin von Vergünstigungen.

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